Mittwoch, 29. August 2012
Abtauchen
«Abtauchen würde ich gern, aber oben schwimmen läßt die Nixen summen.»
Kid37

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Dienstag, 7. August 2012
Einfache Melodien mit großem Erinnerungswert
Kofelgschroa im Theatron in München
Samstagabend, es ist heiss und ein wenig schwül. Der Trubel um die Freilichtbühne neben der Schwimmhalle im Münchner Olympiapark lässt die Musik zur Nebensache werden. Das ist wohl nur für das Geselligkeit suchende Publikum ein netter Rahmen, aber nicht die beste Voraussetzung für ein Nischenprogramm wie es Kofelgschroa bietet. Andererseits: Spielte das Oberammergauer Quartett zuhause im Wirtshaus auf, würde sich die Lautstärke des Publikums wahrscheinlich auch derjenigen der Band angleichen. Der scheint das ohnehin egal zu sein. Kofelgrschoa wenden sich zwar zwischen den Songs immer wieder ans Publikum, wirken dabei aber eher hilflos.



Dass sie nicht die eloquenten Unterhalter sind, ist leicht zu verschmerzen. Denn ihre Mischung aus Folk- und Volksmusik und ihrer Art, von der Welt zu erzählen, ist eigenständig und originell. In ihren Miniaturen des Alltags erzählen sie von der Sehnsucht nach Urlaub und Zusammensein, vom Kokon eines verliebten Paares oder vom Jungen ohne Spielgefährten. Das machen sie mit einfachen Melodien mit großem Erinnerungswert.
Kofelgschroa haben nicht den reinen Klang erfunden und trumpfen nicht mit Virtuosität auf. Sie stehen auf der Bühne und punkten - fernab von jeder Tümelei und bei aller Originalität - mit angenehmer Bodenständigkeit.

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Mittwoch, 27. Juni 2012
«Das richtige Maß ...
... an Übertreibung kommt der Wahrheit am nächsten.»
Rainer Werner Fassbinder

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Sonntag, 24. Juni 2012
Michael Axworthy - Iran: Weltreich des Geistes
«Iran steht auf der Schwelle, im Irak, in Afghanistan und in der gesamten Region eine wichtigere rolle zu spielen», schreibt Michael Axworthy. Nur nebenbei nennt der ehemalige Leiter der iranischen Abteilung des British Foreign Office den wohl massgeblichen Grund für die Unbeliebtheit dieses Landes . Denn er zielt auf die Beantwortung einer anderen Frage ab: «Kann Iran zukünftig eine ihm gebührende bedeutende Rolle im Nahen Osten oder in der weiteren Welt übernehmen?» Seine Antwort ist ein eindeutiges Nein. Denn abgesehen davon, dass die Weltgemeinschaft Iran diese Rolle kaum zugestehen werde, könne ihr die «engstirnige, eigennütze Clicque», die das Land regiert, nicht gerecht werden.

Für Michael Axworthy, heute Leiter für iranische und persische Studien an der Universität Exceter, steht die politische Zukunft des Landes nicht im Zentrum seines Buches. Er nahm sich die unbestrittenen Leistungen der iranischen Kultur und ihren weit über die Grenzen hinaus gehenden Einfluss des Landes als Ausgangspunkt für seine umfassende Geschichte des Landes.
Er beginnt der Auswanderung der indo-europäischen Völkerfamilie aus den Gebieten der heutigen russischen Steppen. Das erklärt auch die enge Verbindung nicht nur zwischen der persischen Sprache mit dem Sanskrit und dem Lateinischen, sondern auch zwischen modernen Sprachen wie Hindi, Deutsch und Englisch.
Da die iranischen Herrscher in ihren neuen Siedlungsgebieten in der Minderheit waren, hätten sie stets über einige nicht-iranische Völker ihre Macht ausgeübt. «Insofern bezog sich der Begriff Iran ebenso auf das komplexe Muster von Kultur und Sprache wie auf Volk oder Territorium.» Entsprechend der These bringt Axworthy nicht nur die historischen politischen Fakten. Er flicht auch die prächtige Geistes- und Wissenschaftsgeschichte Irans ein.
Keineswegs unkritisch, konstatiert er nüchtern, dass die Rückbesinnung auf die Nation wohl eher eine Folge der 200jährigen ausländischen Fremdbestimmung ist als die dogmatischer geistlicher Führer. Doch auch wenn er sieht, dass es «den tieferen, reflektierten, humanen Iran neben den bedrohlichen Schlagzeilen immer noch» gibt, schätzt er die Chancen des Landes gering ein, die Region in der Rolle des Gestalters zu prägen – und das nicht nur wegen der Niedertracht anderer Nationen.

Michael Axworthy hat seine leicht lesbare Geschichte des Landes chronologisch angelegt. Neben der politischen Entwicklung bietet er eine Differenzierte Betrachtung und originelle Einglicke in die Kultur und Geistesgeschichte des Landes.

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Das grosse Kasperltheater
Christoph Bochdansky in der Johanniterkirche Feldkirch
Absurde Szenen aus einem absurden Alltag von absurden Lebewesen. Zum Glück liefert Christoph Bochdansky die Geschichten zu seinen «plastischen Cartoons», wie er seine Skulpturen nennt, gleich mit. Seine eigenwilligen Figuren sind zwar auch ohne Erklärung vergnüglich. Aber abgesehen davon, dass sie nicht verständlich wären, taucht man so noch stärker in die Geschichten ein, die er sich ausgedacht hat.


Keine Szene der Ausstellung – aber ein kleiner Vorge-
schmack auf das zu erwartende Vergnügen.


Die Skulpturen des in Wien lebenden Künstlers erinnern an die Arbeit «Plötzlich diese Übersicht» von David Fischli und Peter Weiss. Während das Schweizer Künstlerduo mit seinen gebrannten Tonfiguren der Frage nachgeht, wie die Wirklichkeit erfasst und dargestellt werden kann (oder eben nicht dargestellt werden kann), geht es bei Christoph Bochdanskys «Anmerkungen zur Umgebung» darum, das Nicht-Wirkliche, das Phantastische zu zeigen. Er macht das mit grotesken, grob geformten, sandgrauen Figuren, die der Phantasie oder auch Träumen entsprungen sein mögen. Manches Menschen, viele absurd-fantastische Lebewesen, wirken sie, als seien sie aus dem Boden der Johanniterkirche geschaffen worden. So wirkt diese universale Arbeit wie für den Ort geschaffen.

Für die Eröffnung hat Christoph Bochdansky einige seine Geschichten ausformuliert und beispielsweise bislang unbekannte Episoden aus dem Leben von Robinson Crusoe erzählt oder gezeigt, wie es einem Mann ergeht, der seinen weiblichen Anteil verleugnet. Dabei bringt er als Figurentheaterspieler nicht nur hintersinnig-witzige Geschichten, sondern Marionetten, die gleichzeitig zum Kostüm des Erzählers werden.


Christoph Bochdansky – «Anmerkungen zur Umgebung»
Johanniterkirche, Feldkirch, bis 7. Juli 2012

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Sonntag, 24. Juni 2012
Michael Lüders – Der falsche Krieg. Wie der Westen seine Zukunft verspielt.
Es gibt viele Gründe, die Kritik am Iran rechtfertigen. Und man kann die Kritikpunkte nicht damit entschuldigen, dass sie vorurteilsbehaftet sind. Wahlfälschung, Unterdrückung von Minderheiten, Folter und Todesstrafe., das alles ist nicht gutzuheißen – im Iran ebensowenig wie in Bahrein, das als Formel-1-Gastgeber ebenso wenig Rechtsstaat ist wie die Ukraine und Aserbaidschan, sich aber als Gastgeber von weltweit beachteten Wettkämpfen darstellen darf.

Der Iran ist nach Irak und Afghanistan ein weiteres Beispiel für die These, dass die Moral oft von politischen Interessen bestimmt wird. Michael Lüders schwimmt gegen den Strom der westlichen Politik und Medien und rückt das von ihnen gezeichnete verzerrte Bild gerade. Er erinnert daran, dass etwa die iranische Regierung dem damaligen US-Präsidenten Bush ganz pragmatisch angeboten hat, die Zweistaatenlösung in Palästina zu unterstützen. Und das obwohl schon in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre US-Politiker forderten, das Land anzugreifen. Die Argumente sind die selben Argumenten, mit denen die Weltbevölkerung auf den Krieg gegen Irak eingeschworen wurde, und die – für das ins Chaos gestürzte Land leider zu spät – sich als perfide gelogen herausstellten.
Neben viel mehr vergleichbaren Fakten erklärt er anhand der iranischen Geschichte, warum die politische Führung wie reagiert. Lüders entdämonisiert die Ayatollahs und zeigt, was man erlebt, wenn man das Land bereist: Sie sind weniger fanatisch und wesentlich pragmatischer als dargestellt.

Neben diesen leicht verständlich und nachvollziehbar präsentierten Tatsachen zeigt Lüders, wie irrsinnig ein Krieg gegen den Iran wäre. «Die Folgen könnten dieses Jahrhundert prägen wie der Erste Weltkrieg das vorige. Dessen Blutspur endet bekanntlich erst mit dem Fall der Berliner Mauer 1989.» Selbst wenn er mit diesem Menetekel nicht recht hat: Ein Angriff würde den iranischen Machthabern in die Hände spielen. «Für Ahmadinedschad und die Hardliner wären die Bomben ein Gottesgeschenk. Es würde ihre Herrschaft auf lange Zeit zementieren. (...) Jeder Kritiker sähe sich nunmehr unerbittlich als Landesverräter verfolgt. Nicht Regimewechsel, sondern Regimekonsolidierung wäre die Folge.»
Die Argumente von Michael Lüders sollten nicht nur Präsidenten lesen, die uns in Grundsatzreden zumindest indirekt dazu auffordern, sich doch bitteschön daran zu gewöhnen, dass vermehrt Landsleute von ihrer so genannten Friedensmission tot zurückkehren werden.

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