Donnerstag, 29. September 2011
Aglaja Veteranyi – Warum das Kind in der Polenta kocht
Es ist ein bezaubernder Roman, dessen außergewöhnliche Leichtigkeit in krassem Gegensatz zum Thema steht: die Flucht aus einem totalitären Land mit all ihren Hoffnungen und unerfüllten Träumen, über denen die Angst vor dem Tod der Mutter liegt. Die in Rumänien geborene Autorin erzählt in ihrem 1999 erschienenen Debütroman vom Fremd- und Einsamsein, verlassen vom Vater und gequält im Kinderheim. Um sich von den Todesvorstellungen abzulenken, weil sie den Absturz der Mutter fürchtet, die Zirkusartistin ist, denkt sich die Tochter Schauergeschichten aus - solche wie die vom Kind, das in der Polenta kocht.
Aglaja Vetaranyi, Tochter eines Clowns und einer Zirkusartistin, erzählt die autobiographisch gefärbte Geschichte mit eindringlichen Worten in einer scheinbar kindlich-naiven Sprache, nicht opulent ausformuliert, sondern im Kurzprosa-Stil. Die atmosphärisch dichte Umsetzung des Hörspiels dürfte auch der Intention der 2002 aus dem Leben geschiedenen Autorin entsprechen. Einfühlsam gesprochen und mit reduzierter Geräuschkulisse, ist auch das Hörspiel gleichermaßen luftig-leicht und aufwühlend.

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Samstag, 27. August 2011
Der erste Schnee, ich wünsche mir den Frühling wieder.

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Sonntag, 21. August 2011
Peter Schanz - 87 Tage blau
Viele Farben blau hat Peter Schanz auf seiner Weltreise gesehen. In 87 Tagen hat er die Welt auf einem Frachtschiff umrundet. Fotografiert hat er nicht Kapitän und Koch, nicht das Leben auf dem Schiff und auch nicht Container und Kajüte. Festgehalten hat er dafür umso konsequenter das Wasser: mal tiefblau, mal grün, mal flach wie eine Leinwand und dann wieder mit gischtgekräuselten Wellen.

Auch wenn es längst nicht mehr ungewöhnlich ist, die Meere als Gast auf einem Frachtschiff zu überqueren, ist «87 Tage blau» in jeder Hinsicht ein besonderes Reisetagebuch. Das liegt am einzigen Sujet des Buches, dem Wasser. Es liegt aber ebenso an den kurzen tagebuchartigen poetischen Betrachtungen des Autors, die gleichberechtigt neben den Bildern stehen. Mal erzählt Schanz vom Leben an Bord, dann wieder mit Sachinformationen angereicherte Reiseeindrücke oder Reflektionen. Die Texte sind überaus kurz unter einem für einen Bildband vergleichsweise kleinen Aufnahmen – Amuse bouche, an denen man sich nach und nach satt-sehen und auch satt-lesen kann.

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Montag, 8. August 2011
Tingvall Trio - Vägen
Für den Vorgänger von «Vägen» wurde das Tingvall Trio im vergangenen Jahr mit einem Echo als 'Bestes Deutsches Jazzensemble' ausgezeichnet. Es reicht der Wohnsitz: Denn der schwedische Pianist Martin Tingvall und Bassist Omar Rodriguez Calvo sind Wahlhamburger. Und Martin Tingvall komponiert angeblich am liebsten in der Abgeschiedenheit seiner südschwedischen Heimat. Die Herkunft seiner Stücke ist nicht schwer zu erraten. Im zeitgenössischen skandinavischen Stil sind sie leicht und melodiös.
Das Tingvall Trio spielt Jazz mit Pop-Appeal - nicht so zurückgenommen wie Bar- und Lounge-Musik, aber noch immer so eingängig, dass nicht nur eingefleischte Jazzfans daran Gefallen finden.
Martin Tingvall spielt lyrisch und klar, aber auch in den sanften Passagen bestimmt. Gleichzeitig zeigt das Trio, dass es nicht nur die eingängig-sanften Stücke beherrscht: Mit «Tuc-Tuc Man» werfen sich die drei Musiker in den nervenaufreibenden Verkehr asiatischer Grossstädte und lassen dabei auch beste Jazz-Rock-Manier aufblitzen. In «Shejk Schröder» vermitteln sie keineswegs die Stille der Wüste, wie man vermuten könnte, sondern eher einen Wüstensturm. Einzig der Versuch, dem Stück «Efter Livet» (Nach dem Leben) mit Streichern und Bläsern Dramatik und Pathos zu verpassen, bleibt teilweise unbefriedigend. Den hervorragenden Gesamteindruck trübt das nur unwesentlich.

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Sonntag, 7. August 2011
Vieux Farka Touré - The Secret
Es wird erzählt, dass John Lee Hooker im Spiel des malischen Gitarristen Ali Farka Touré den Ursprung des Blues herausgehört habe. Sein Sohn beschwört das Geheimnis des Blues in einer Einspielung mit seinem vor fünf Jahren verstorbenen Vater: Der Titelsong "The Secret", mit dem er das Geheimnis des Blues eingefangen haben möchte, ist stetig und ruhig. Gewohnt träge wie ein flirrender Nachmittag in einem Kaff am Rand der Wüste, trägt es die eindeutige Handschrift von Ali Farka Touré.

Vieux Farka Touré mag es in der Regel flotter und ein wenig heftiger. Das ist gut, erreicht aber nie die Eigenständigkeit seines Vaters. Da mag er gniedeln wie er will: Vieux Farka Tour verbindet vor allem auf die inzwischen bekannte Art afrikanische Musik und Blues. Die Gastmusiker -- etwa John Scofield, Dave Matthews und Derek Trucks -- sind da nur bedingt eine Bereicherung. Sie bringen nicht den Zündstoff, der Vieux Farka Touré für ein wirklich originelles Album fehlt. Gewiss, es fehlt den Musikern nicht an Fingerfertigkeit, nicht an eingängigen Melodien und auch nicht an treibender Musik. Und auch wenn Vieux Farka Touré und seine zupfenden Kollegen immer wieder solistisch überzeugen können, liefern sie insgesamt vor allem Afro-Blues-Mainstream mit wenigen zündenden Ideen.

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