Samstag, 3. April 2010
Wenn die besten Jahre vorüber sind
Khaled im SAL in Schaan (FL)
Er steht da und strahlt, als stünde er beim Kindergeburtstag vor der Torte. Dabei steht er nur vor der ausverkauften Halle. Und das sollte der algerische Sänger, auch wenn die Höhenflüge des „Roi du Raï“ schon einige Jahre zurück liegen, gewöhnt sein. Khaleds Spielfreude wirkt nie aufgesetzt; er scheint tatsächlich enormen Spaß zu haben -- bis zu den vier Zugaben, darunter das unvermeidliche «Aïcha», das nach wie vor schön zu hören ist, aber hier so wenig außergewöhnlich wie der Rest des Konzerts.



Der Klang ist klar, die Instrumente sind deutlich differenziert und Khaleds Musiker lassen keinen Zweifel: Raï ist Unterhaltung - in erster Linie fröhlich, in zweiter laut. Die Oud ist durchweg satt, knallig und virtuos gespielt. Aber es fehlt an Zwischentönen. Zwei Keyboarder, von denen einer immer in den Vordergrund drängt, dominieren den Klang über weite Strecken. Akkordeon, Streicher und Bläser können sie nur imitieren, aber nicht ersetzen. Dabei ist die Band mit - neben Khaled - sieben Musikern ohnehin großzügig besetzt. Im Vergleich zu den üppigen Arrangements seiner Alben bleibt sie trotzdem nur Surrogat.



Khaled hält sich mit Ansprachen zurück, schaut zwischendurch schelmisch zu seinen Kollegen. Er treibt einige Songs vor sich her - vom neuen Album «Sbabi Ntya» und «Liberté», aber auch ältere wie «Chebba» und «Kebou Kebou» -, bevor er zu zurückhaltenden Flamenco-Rhythmen ein langes Intro mit orientalischen Melodielinien singt. Hier wird er akzentuierter und auch mal leiser. Was den Rezensenten freut, begeistert das Publikum weniger. Dieses scheint froh zu sein, dass die ruhigeren Stücke seltene Intermezzi bleiben.



Im Grunde ist es interessanter, wenn Künstler ihre Songs für Live-Auftritte neu arrangieren. Ein Album unter Live-Bedingungen zu reproduzieren, ist meist langweilig. Das Album kann man schließlich zu Hause hören - und mit Streichern auf Tournee zu gehen, können sich auch diejenigen Künstler kaum leisten, die große Hallen bespielen.
Khaled hat mit seinen Interpretationen offenbar den Publikumsgeschmack getroffen. Das mag ihn befriedigen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wären die Zuhörenden auch mit kunstfertigeren Interpretationen nicht weniger begeistert gewesen. Sein strahlendes Lachen und seine verschmitzten Blicke wären dann sogar noch ansteckender gewesen.

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Donnerstag, 1. April 2010
Vorgeschmack

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Sonntag, 28. März 2010
Im Zentrum: Istanbul
Türkisches Filmfstival II: Konzentrierte Einblicke in eine fremde Welt
Die diesjährigen Filmtage sind der Stadt Istanbul gewidmet - sie ist dieses Jahr eine der europäischen Kulturhauptstädte. Das Thema erlaubt die ganze Bandbreite - von der in «Uzak Ihtimal - Der falsche Rosenkranz» behandelten verhinderten Beziehung über die missglückten Beziehung wie sie in «Üç Maymun – Drei Affen» vorgeführt wird über den Film über die Istanbuler Musikszene «Crossing The Bridge» von Fatih Akin bis hin zum politischen Film «5 Nolu Cezaevi – Prison No. 5» (der allerdings nicht ganz themengerecht die Zustände im berüchtigten Gefängnis von Diyarbakir zeigt).


Dass Politik auch im Krimi eine Rolle spielen kann zeigt Emre Şahin, Regisseur und Drehbuchautor von «40». Er ist ganz einer zeitgemäßen Ästhetik verpflichtet. Beginnt mit schnellen Schnitten und variiert geschickt die Geschwindigkeit des Erzählflusses. Der in den USA ausgebildete Regisseur verknüpft in seiner Geschichte die Schicksale eines türkischen Ganoven, eines illegal in Istanbul lebenden Afrikaners und einer Krankenschwester. Es geht um Hoffnung und Enttäuschung, Glück und Verzweiflung und natürlich um Geld.
Mit seiner rasanten Ganovengeschichte gibt Emre Şahin ganz nebenbei einen Einblick in das heruntergekommene, von Armen, Gaunern, Drogenabhängigen und Transvestiten dominierte Tarlabaşı-Viertel und zeigt viele stimmungsvolle Bilder von Istanbul.

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Samstag, 27. März 2010
Uzak Ihtimal - Der falsche Rosenkranz
Türkisches Filmfstival: Konzentrierte Einblicke in eine fremde Welt
Die größte türkische Gemeinde in Deutschland ist nicht in Berlin, sondern in München. Anders als ihre Landsleute in Berlin-Kreuzberg sind die in München lebenden Türken integriert -- wie fast überall in Deutschland. Vermutlich ist auch ihr Bildungsniveau höher. Ein Beleg ist das zum 21. Mal stattfindende Türkische Filmfestival.

Auch in Istanbul sieht man die hier gezeigten Filme selten: Denn hier laufen nicht die Soaps und es gibt keine Schmonzetten für den Massengeschack. Das ist gut, aber nicht alles ist dabei geglückt. Der Auftaktfilm etwa, «Üç Maymun – Drei Affen», beschreibt mit immer wieder starken Momenten das Auseinanderbrechen einer Familie. Aber er ist zu langatmig und mit zweifelhaften Stilmitteln gemacht. Denn dass ein Film, der in der Gegenwart spielt, Farben verpasst bekommt, die auf die 1950er- oder 60er-Jahre verweisen, ist eigenartig.

Ein ebenso stiller, aber wesentlich spannenderer Film ist «Uzak İhtimal - Der falsche Rosenkranz». Der junge Muezzin Musa verliebt sich in die katholische Clara. Sie leben Tür an Tür und entdecken langsam ihre Zuneigung. Dem Regisseur Mahmut Fazıl Coşkun geht es nicht um die Gegenüberstellung der Religion - diese bietet ihm allenfalls die Grundlage für amüsante Begebenheiten. Er offenbart viel lieber eine eigenwillige Lebensgeschichte und die Dramatik des Alltäglichen. Sie gipfelt darin, dass weder der eigentlich selbstsichere Antiquar Yakup Clara sagen kann, was ihm am Herzen liegt - nämlich dass er ihr Vater ist -, noch dass Musa seine Schüchternheit überwinden kann. Am Ende verabschiedet der Muezzin Clara am prächtigen Bahnsteig des Sirkeci-Bahnhofs - für immer, weil sie in einem italienischen Kloster ihr restliches Leben als Nonne verbringen wird.

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Samstag, 20. März 2010
Fast schon ein Rockkabarett
Georg Ringsgwandl arbeitet im Schaaner TAK an seiner internationalen Reputation
«Mir habn in Augsburg gspuit und in Bitterfeld/I war ein Bauerndepp, doch jetzt bin ich ein Mann von Welt», singt Georg Ringsgwandl und darf feststellen, dass er nicht nur in der näheren Heimat oder in den Osten eingeladen wird, sondern auch im südlichen Ausland bekannt ist: das Theater am Kirchplatz in Schaan (Liechtenstein) ist beinahe ausverkauft. Sprachprobleme gibt es - die Bayern sind ja fast Nachbarn - keine, und für die rockig-funkige Musik gilt ohnehin generationen- wie grenzüberschreitend «common sense», dass sie gleichermaßen aufmüpfig und gediegen ist.


Sparsame Utensilien, amüsante Geschichten und im
Hintergrund eine kompakte Band: Georg Ringsgwandl ist
nicht mehr durchgeknallt, aber noch immer amüsant.


Mit «Untersendling», «Analog» und «Lebn ois wiara Kuah» startet er zwar durchaus amüsant, aber auch konventionell und ein bisschen langweilig. Auch ein Ringsgwandl kommt in die Jahre. Doch er muss nicht in Müllsäcken gekleidet oder mit einer Unterhose auf dem Kopf auftreten, um lustig zu sein. Sein Sprachwitz reicht völlig und man kann sich zwischen den kurzen Blöcken mit zwei, drei Liedern an seinen so amüsanten wie weitschweifigen Geschichten freuen, die er mit markigen Sprüchen und saftigen Personenbeschreibungen spickt - zwischendurch auch mal mit Schenkelklopfer-Charakter.


Weitschweifig und markig: Der burschikose Witz von Georg
Ringsgwandl kommt auch in Liechtenstein an


Natürlich spielt er Zither, und ebenso selbstverständlich verzichtet er nicht völlig auf die Verkleidung: Ein Mütze und eine übergroße Sonnenbrille reichen, um aus dem scharfzüngigen Bayern einen Szene-Gigolo mit Migrationshintergrund zu machen. Das ist gesetzt, aber auch amüsant - und steht als Charakterisierung für das ganze Konzert, das er natürlich nicht alleine bestritten hat. Seine kompakte, spielfreudige Band ist eine hervorragende Kulisse.

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