Samstag, 31. Mai 2014
Noch immer eindrucksvoll
Huun-Huur-Tu im Tak in Schaan (FL)
Es würde nicht verwundern, zu hören, dass man Huun-Huur-Tu in ihrer Heimat, dem sibirischen Tuwa, Tümelei und Rückwärtsgewandtheit vorwirft. Die Lieder des Quartetts – egal ob überlieferte oder selbstkomponierte – drehen sich vor allem um Pferde und die Liebe, dann um die Liebe und die Pferde und danach noch um Heimat, um die Tradition und um die Macht der Natur.



Dass sie einen musikalisch ungewöhnlichen Ansatz verfolgen, wissen nur Eingeweihte. Huun-Huur-Tu bringen den üblicherweise solo gesungenen Kehlkopfgesang im Bandkontext, mit traditionellen Instrumenten wie der Igil (eine zweiseitige Pferdekopfgeige), der ebenfalls mit dem Bogen gestrichenen Byzaanchi, der Holzflöte Shoor oder dem Banjo-ähnlichen dreiseitigen Zupfinstrument Doshpuluur. Und auch das ist nicht mehr neu – allerdings dank Huun-Huur-Tu, sie machen diese Art Musik seit ihrer Gründung vor gut zwanzig Jahren.
Dennoch besticht ihre Musik auch heute noch. Dabei ist es egal ob sie ihre langgezogenen, von gutturalen Klängen bestimmten Lieder singen, ob sie gefälligere Melodien im Galopp durch den Saal treiben oder ob sie düster-atmosphärische Stücke wie das an der Grenze zum Psychedelischen liegende "Orphan's Lament" intonieren. Das Quartett erhält die Spannung nicht nur durch den Wechsel zwischen langsamen und treibenden Stücken aufrecht, sondern variiert auch die Klangfarben, indem es die unterschiedlichen Stimmen – jeder Musiker singt nicht nur im Chor, sondern übernimmt immer wieder die Leadstimme – beziehungsweise Arten des Obertons in den Vordergrund stellt. Der Ansatz, im zweiten Teil des Konzerts die Klangfarbe mit einer klassischen Gitarre zu erweitern, fällt größtenteils der Technik zum Opfer: Die sanft gezupfte Gitarre ist kaum zu hören.
Doch auch dermaßen unfreiwillig reduziert überzeugen Huun-Huur-Tu. Der unterschwelligen Kraft ihrer Musik kann auch mangelhafte Abmischung nicht viel anhaben.

Nächstes Konzert: 4.7.2014, Montafoner Sommer, Schruns (A)

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Sonntag, 30. März 2014
Heimspiel in der Fremde
Garish müssen nicht fulminant aufspielen, um am anderen Ende des Landes zu punkten
Die Entfernung könnte nicht größer sein: Doch obwohl Garish vom anderen Ende des Landes kommen, werden sie vom Publikum empfangen wie die Dornbirn Bulldogs nach dem Auswärtssieg ihres Lebens. Und das burgenländische Quintett bietet, was von ihnen erwartet wird: Ohrwürmer, gefühlvoll und tanzbar, aufgewertet durch assoziationsreiche Texte. Das alles bieten Garish auf ihrem neuen Album "Trumpf" – und mehr müssen sie für ein Heimspiel nicht bieten. Routiniert wechseln die Musiker zwischen einfühlsamen und flotten Passagen und liefern zwischendurch mit Triangel und Mandoline eher ungewöhnliche Klangfarben.
Für "Auf den Dächern" reduzieren sich Garish zum Duo, "Unglück trägt den selben Namen" erinnert an ein Bänkellied, zwischendurch – etwa bei "Den Idioten zum Beweis" – imitieren sie Element of Crime und dazwischen sind sie immer wieder ein wenig langweilig.



Wer die richtigen Fans hat, wird trotzdem bis zum Umfallen auf die Bühne zurückgerufen. Obwohl der Abschied mit "Paris", "Abendrot" "Eisenherz" und "Schaltzentrale" nichts Neues bringt, so ist er immerhin von schlichter Schönheit.

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Montag, 17. Februar 2014
Attitüdenfrei
Die Nerven im Spielboden in Dornbirn (A)
Das haben wir alles schon gehört: Grobe Rückkoppelungen, die weit weniger interessant sirren als noch bei Jimi Hendrix; hinausgeschriene oder sprechgesungene Texte, die vergleichsweise lange und simple Instrumentalpassagen nur kurz unterbrechen. Doch die Schwaben, der Name scheint Programm zu sein, treffen den Nerv und heben sich – wenn man das bei derart roher Musik sagen darf – wohltuend von den Indie-Rockern ab, deren Musik mehr vom Zeitgeist als vom musikalischen Selbstverständnis geprägt ist.
Dass ihre Texte kaum zu verstehen sind, der Bass nicht annähernd so schön knallt wie auf dem Album und auch sonst der Klang zu wünschen übrig lässt: Es tut dem Vergnügen keinen Abbruch. Wären Die Nerven Fotografen, so würden sie keine geleckten Bilder machen, sondern unscharfe und verwischte – atmosphärische Momentaufnahmen, die technisch mangelhaft sein mögen, aber umso mehr Ausstrahlung besitzen.


Sieht besinnlicher aus als seine Musik: Max Rieger, Sänger und Gitarrist von
Die Nerven


Das Trio geht kühl und doch engagiert zur Sache. Wenig Interaktion mit dem Publikum, wenig untereinander. Man freut sich eher im Stillen, wenn ein Übergang klappt oder der eher diffizile Abschluss eines Stückes.
Das von wem auch immer vergebene Attribut «Hipsterband für alte Szenesäcke» führt das Trio auf ihrer Webseite als eine ihrer Lieblingsbezeichnungen auf. Tatsächlich erinnern Die Nerven an die Endsiebziger No-Future-Bands. «Was auch immer wir jetzt lernen, ist mit Sicherheit nicht wichtig/Was auch immer wir jetzt lernen, ist mit Sicherheit egal», konstatieren sie nüchtern in ihrem Song «Albtraum» und dass sie nichts mehr erwarten. Dazu passen der rohe Klang und der immer wieder schwerfällige Rhythmus genauso wie ein Auftritt, der frei von Attitüden ist. Noch hat sich offenbar nicht herumgesprochen, dass die Musik des Trios auf der von Bands wie Sonic Youth und Joy Division aufbaut. Es sind kaum «alte Szenesäcke» da, für die ihre Musik sein soll. Das Publikum der Nerven ist überwiegend jung wie sie selbst. Doch bestehen können sie auch vor älteren Semestern – geht alle hin und hört.

Die nächsten Konzerte

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Sonntag, 1. Dezember 2013
Nebeneinander
Nadja Räss, Jodelclub Thurtal und Talilema im Tak in Schaan
Stocksteif stehen sie auf der Bühne, die 17 Männer des Jodelclubs Thurtal, im traditionellen Gewand mit dem weißen, kurzärmeligen Hemd unter dem roten Gilet, die Hände in den Hosentaschen vergraben. Dann beginnt Nadja Räss aus dem Off hinter dem Zuschauerraum und demonstriert mit dem simplen, oft verwendeten Stilmittel unvermittelt die Kraft, die im Naturjodel steckt, und die sich mit dem Einfall der Männerstimmen noch einmal ungemein verstärkt.


Naturjodel: andächtig und mächtig.

Die Frage, ob diese Musik im «natürlichen» Umfeld – in den Bergen oder im Stall – anders wirkt, stellt sich nicht. Denn kaum einer der Sänger wird die Sommer auf der Alp verbringen. Längst sind es Zimmerleute und Elektromonteure, Lehrer, Bank- und Versicherungsfachleute, die das Brauchtum lebendig halten. Ohnehin kommt zumindest beim Naturjodel niemand in Versuchung, die "gute alte Zeit" heraufzubeschwören. Er beruht auf Silben und wird von Nadja Räss und den Thurtaler Sängern ungemein ausdrucksstark vorgetragen.


Jodel aus Madagaskar: Talilema

Geografisch liegen Madagaskar und die Schweiz weit auseinander, doch musikalisch sind sie sich ganz nah. Hier wie dort gehört Jodeln zum Brauchtum – und die Jodeltechnik des Inselstaates wirkt noch elaborierter als sie in unseren Breitengraden gepflegt wird.

Die gleichen Mittel führen beim Duo Talilema zudem zu einem gänzlich anderen Ergebnis. Nicht geerdet und von sakral anmutender Feierlichkeit ist die Musik des virtuosen Duos, sondern von treibender Lebensfreude. Kelemi, Multiinstrumentalist und Sänger, legt mit traditionellen Zithern – der kastenförmigen Marovany und der Valiha aus Bambusrohr –,oder der kleinen, kastenförmigen Gitarre Kabosy
den Boden für die eingängigen Melodien und die vokalakrobatischen Überschläge von Gellé Talike. Um die eingängigen Melodien und Refrains ihrer Lieder – durchweg Ohrwürmer – dürfte sie so mancher Popmusiker beneiden.


Musik als Bestimmung: Nach dem Konzert wird im Theater-Café gejodelt.

Durchmischt mit Solo-Stücken, in denen Nadja Räss zeigt, wie man den Naturjodel gleichermaßen respektvoll und gewitzt erneuern kann, ergibt das ein Programm, das die Gemeinsamkeiten der «Sprache Musik» zeigt – und es doch nicht schafft, sie über die Kontinente hinweg zu verbinden. Als beim Abschlusslied alle Sängerinnen und Sänger gemeinsam auf der Bühne stehen wird zwar die Freude an der Musik des Gegenübers deutlich. Doch die Vermischung bleibt aus. Und sie kommt auch später nicht zustande, als – lange nach dem Konzert – Nadja Räss und die Thurtaler Jodler im Theater-Café ihre Stimmen erheben. Kelemi und Gellé Talike fallen nicht ein, um den getragenen Naturjodel in ein quirliges Regenwald-Potpourri zu verzaubern. Sie bringen ein eigenes Stück, zu dem wiederum kein Toggenburger die Stimme erhebt. Vielleicht wird die Vereinigung im Sommer gelingen – wenn sich beim Naturstimmen-Klangfestival Anfang Juni wieder Gruppen und Solisten aus aller Welt mit Schweizer Musikern auf Klangspurensuche begeben.


Talilema

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Samstag, 16. November 2013
Big Wave? Plätscherwelle!
Yokko auf Ochsentour am östlichen Rand der Schweiz
Vom Schweizer Radio wurden sie nach dem Erscheinen ihres Debütalbums "Seven Seas" zum "Best Talent" gekürt, andere sehen Yokko sogar schon als Schweizer Export im internationalen Pophimmel. Das Berner Quintett mag große Gesten, doch auch ihr früher Erfolg erspart ihnen nicht die Ochsentour durch halbleere Jugendschuppen. Immerhin sollen hier, am äußersten Rand der Schweiz, kürzlich auch die Haudegen des Berner Rock wie Züri West und Büne Huber gespielt haben, Schweizer Institutionen.


Yokko: Die Musik kann mit der Geste noch nicht mithalten.

So weit sind Yokko noch lange nicht, auch wenn sie sich – abgesehen von den hölzernen Ansagen ihres Frontmanns Adrian Erni, mit denen er das Publikum nicht gewinnen kann – vordergründig souverän und selbstsicher geben. Doch auch damit können Yokko nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie mit überaus hausbackenem Material reüssieren wollen. Gefällige immer wieder mit bombastischen Keyboard-Klängen aufgemotzte Melodien bestimmen die durchweg austauschbaren Songs im Midtempo-Bereich. Zwischendurch gibt es Balladen, doch sie kühlen nur, was vorher schon nicht richtig heiß war.

Die Berner spielen gefällig ihren Wave-Vorbildern hinterher, zu überraschen vermögen sie nicht. Ob das den Traum von der internationalen Karriere wahr werden lässt, darf bezweifelt werden. Die Nachbarländer haben genügend Mitläufer, dorthin muss man keine mehr importieren. Erfolg haben dort nur einheimischer und US-amerikanischer Mainstream und fremdländische Originalität. Jenseits der Landesgrenzen erfolgreiche Schweizer Mainstream-Musiker sind selten – Lys Assia und Vico Torriani, aber deren Zeit liegt lange zurück. Man muss schon Spezielles bieten, wie es beispielsweise Yello oder in bescheidenerem Rahmen Erika Stucky und Christian Zehnder tun, um als Schweizer Musiker im Ausland gesteigerte Aufmerksamkeit zu bekommen. 'Atlantic Wave' labelt die Band ihre Musik, bislang ist sie bestenfalls eine Mittelmeerplätscherwelle.

Nächste Konzerte von Yokko

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Dienstag, 15. Oktober 2013
Cay & Brezn
Mit Arash Sasan ein Stunde in der Straßenbahn, 13.10.2012
Die Herkunft des traurigen Liebesliedes sei ungeklärt, erzählt Arash Sasan, daher singe er es auf Türkisch und Armenisch. Das passt wie angegossen zur Fahrt mit der Cay-&-Brezn-Tram, die in diesem Jahr zum dritten Mal durch das multikulturelle München gefahren ist – durch die Dachauer Straße etwa, vorbei an Dönerständen und persischen Restaurants, am Oasis-Supermarkt, der auch am Sonntag voller Leute ist. Im hinteren Wagen spielt die Unterbiberger Hofmusik ihre ureigene bavaturkische Mischung, vorne sitzt Arash Sasan mit seinen Friends. Es ist die letzte Fahrt am herbstsonnigen Sonntag. Die Straßen sind voller Leute, der Verkehr so hektisch, dass der Straßenbahnfahrer immer wieder die Warnklingel rasseln lässt.



Den gefühlvollen Liedern von Arash Sasan können weder Verkehrslärm noch Straßenbahngeklapper etwas anhaben. Der iranische Liedermacher lässt Flamenco anklingen und legt lateinamerikanische Rhythmen unter ein Saadi-Gedicht. Wie in Gedanken versunken singt Arash Sasan mal schwelgerisch, mal klagend – und webt die Melodien von überlieferten Volksliedern und eigenen Kompositionen in den Alltag eines schönen Sonntags.

Nächstes Konzert von Arash Sasan: 26.10., Black Box, München

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Samstag, 27. April 2013
Handgemacht
McCleery im Spielboden in Dornbirn (AT)
Jono McCleery wird mit den ganz Großen seines Fachs verglichen, etwa mit dem früh verstorbenen Übervater der Folkies, Nick Drake, und dem nicht minder suizidalen Jeff Buckley. Doch auch wenn er die kultisch verehrte Folk-Sängerin Vashti Bunyan als Unterstützerin hinter sich weiß, muss er auf Ochsentour. Immerhin müssen der britische Liedermacher und seine beiden Begleiter die Songs nicht in einem abgeranzten Dorfschuppen präsentieren, sondern bekommen eine überaus nette Tränke zur Verfügung gestellt.



Jono McCleery greift heftiger in die Saiten als erwartet, seine Fingerpicking ist sicher, meist folkig mit gelegentlichen Anklängen von lateinamerikanischen Rhythmen. Weitgehend unauffällig bleiben sein Bassist Daniele Gulino und Daniel See am Schlagzeug, die für ein gediegenes Fundament sorgen. Auf elektronische Klänge, die Jono McCleery sonst gerne in seine Musik mischt, verzichtet er im Konzert. Ebenso auf den Black-Hit «Wonderful Life», den er auf seinem zweiten Album «There Is» präsentiert, und auf die meisten anderen bislang veröffentlichten Stücke. «Ich spiele heute viele neue Sachen», sagt Jono McCleery entschuldigend, als er nach dem Ende von «Darkest Light» – dem Titelstück seines ersten, 2008 erschienenen Albums – einmal mehr ein unbekanntes Stück ankündigt. Die 'alten' Stücke nicht auch noch live vorgesetzt zu bekommen, ist jedoch keinesfalls ein Manko. Selbst wenn er vielen vor allem wegen seiner einfühlsamen Interpretation des Black-Hits «Wonderful Life» bekannt sein mag: In der Spielboden-Kantine haben sich nicht Fans eingefunden, die die bekannten Hits abrufen möchten (die, nebenbei bemerkt, Jono McCleery ohnehin nicht vorweisen kann). Hier lauschen Freunde des Singer/Songwriter-Handwerks, die sein gut einstündiges unspektakuläres Konzert zu schätzen wissen.

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Samstag, 20. April 2013
Das Leben, die Liebe – ein Lamento
Emel Matlouthi beim Seelax
Die tunesische Liedermacherin Emel Mathlouthi, gerne als «Stimme der tunesischen Revolution» bezeichnet, macht aus Rap und Liedern von Nirvana Chansons. Das Konzert der ausdrucksstarken Sängerin war jedoch wenig mitreißend.


Kaum Dynamik: Das Trio schöpft seine Möglichkeiten bei weitem nicht aus.

Nach der Ankündigung von Nirvanas «Smells Like Teen Spirit» ist das Entsetzen im Publikum förmlich spürbar. Man möchte zwar die «Stimme der tunesischen Revolution» hören, aber die Kritik lieber in der gefälligen Getragenheit erleben, die das Konzert durchweg bestimmt, und nicht im aufsässig-aggressiven Duktus der Grunge-Band. Das explosive Stück passt auf den erst Blick gar nicht zu den durchweg klagenden Liedern der tunesischen Sängerin. Trotzdem ist es weder inhaltlich noch musikalisch ein Fremdkörper in ihrem Programm. Denn schon zuvor hat Emel Mathlouthi den Rap-Song eines Freundes in ein mit Arabesken geschmücktes Chanson transformiert. Mit ihrer enorm reduzierten Version von «Smells Like Teen Spirit», gibt sie auch diesem Stück einen ganz anderen Charakter – es wird zu einer fast resignativen Forderung.


Ausdrucksstarke Interpretin: Emel Mathlouthi agiert verhalten.

Emel Mathlouthi, zu deren Vorbildern westliche Protestsänger wie Joan Baez und Bob Dylan ebenso zählen wie Björk oder der bereits in den 90er-Jahren verstorbene ägyptische politische Liedermacher Cheikh Imam, ist eine zeitgenössische Liedermacherin. Sie vermischt westliche und arabische Einflüsse und verwendet die moderne Technik mit Loops und elektronischen Klängen ebenso wie akustische Instrumente. Ihr Auftritt im Trio mit Gitarre und Violine ist reduziert. Die Möglichkeiten, die auch diese Formation bietet, schöpft sie bei weitem nicht aus. Der Einsatz von Loops bleibt gewöhnlich, der wenig originelle Gitarrist wirkt durchweg uninspiriert. Dem Trio gelingt es nicht, die fehlenden perkussiven Elemente mit ihren Mitteln zu erzeugen. Nur Violinist Zied Zouari setzt gelegentlich Akzente in einem Konzert, das durchweg von Emel Mathlouthi bestimmt bleibt. Diese wirkt zwar bis zum Schluss seltsam gehemmt, lässt aber immer wieder aufblitzen, wie lebendig sie sein kann. Das mag zum einen daran liegen, dass das Set, beim dem selbst Liebeslieder zum Lamento werden und weder Fröhlichkeit noch Zuversicht verbreiten, zu monoton konzipiert ist. Erst beim letzten Stück geht Mathlouthi etwas aus sich heraus und zeigt deutlicher als vorher, dass sie nicht nur eine ausdrucksstarke Interpretin ist, sondern auch mitreißend sein kann.

Offizielle Homepage von Emel Mathlouthi.

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Freitag, 12. April 2013
Anheimelnde Monotonie
Mansour Seck im Spielboden
Obwohl Mansour Seck seit Jahrzehnten auf der Bühne steht und auch einige Solo-Alben herausgebracht hat, ist er immer im Schatten seines Jugendfreunds Baaba Maal geblieben, in dessen Band er schon seit Langem spielt. Dass der senegalesische Gitarrist und Sänger, dessen letztes Album «Yelayo» bereits vor mehr als 15 Jahren erschienen ist, jetzt ohne neues Material tourt, ist überraschend – und erfreulich.


Schöpft die Kraft seiner Lieder aus der Tradition: Mansour Seck

Die repetitive Struktur, der dem Talking Blues ähnliche Sprechgesang und die ausufernde Länge seiner Lieder verweisen deutlicher auf die Ursprünge der afrikanischen Musik als die aktuellen, für das westliche Publikum geglätteten Afropop-Produktionen. Traditionell ist die Musik von Mansour Seck trotzdem nicht, was schon die Besetzung mit zwei Gitarren und E-Bass zeigt. Er verzichtet auf Perkussion und den in der westafrikanischen Musik beliebten Chorgesang. Die Grundlage seiner Lieder bilden das fließend-rhythmische, gezupfte Gitarrenspiel, das er meist dem entspannt spielenden Mama Gaye überlässt, und die flirrende Ngoni von Cire Sall. Für das Fundament sorgt der stets im Hintergrund bleibende, aber immer wieder prägnant spielende Bassist Mbara Cissé.


Veteranen: Mansour Secks angegraute Mitmusiker schütteln die repetitiven
Muster lässig aus dem Handgelenk


Die Musik fließt ruhig und mächtig dahin wie der Senegalstrom – monoton und doch nicht eintönig, äußerlich sanft, aber unterschwellig recht kraftvoll. Mansour Seck ignoriert schon bald die Gitarre; vielleicht auch, weil es mit dem Umstimmen für die wechselnden Tonarten nicht so klappen möchte. Ohne Instrument kann er auch im Stehen singen, was ihm zu gefallen scheint. Seine Blindheit beeinträchtigt ihn sichtlich, trotzdem drängt es ihn mitunter bis knapp an den Bühnenrand. Doch seine besorgten Mitspieler holen ihn, ohne dass es ihr Spiel beeinträchtigen würde, noch rechtzeitig zurück. Die rund zwei Stunden Musik, für die Mansour Seck mit begeistertem Applaus belohnt wird, erinnern an die frühe Zeit der afrikanischen Popmusik, als Westafrika noch nicht von ausgebrannten westlichen Musikern überrannt wurde, die nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt in der Exotik und der vermeintlichen Urtümlichkeit der Musik der Wolof, Bambara und Peul neue Inspiration suchen. Das mag ein bisschen altmodisch sein, doch so, wie Mansour Seck es auf die Bühne bringt, wirkt es durchaus zeitlos.

Weitere Termine: 13.04 Bleiburg (A), 14.04. St. Pölten (A)

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Sonntag, 17. März 2013
Simpel bis hymnisch
Naked Lunch im Spielboden
Er benötige mehr Licht, wies Sänger Oliver Welter die Regie an und und drückte sich auch nicht um die eher peinliche Begründung. «Andere Bands können im Dunkeln spielen, wir können das nicht.» Aber ein Konzert von Naked Lunch besucht man ohnehin nicht, um sich an technischen Finessen zu delektieren, sondern um eine eigenwillige Band zu erleben, die kompromisslos an ihrem Œuvre arbeitet. Sechs Alben in zwanzig Jahren sind, auf die Menge bezogen, ein bescheidener Leistungsausweis. Doch die Klagenfurter Band hat Meisterwerke ihres Genres geschaffen und sich bemerkenswert entwickelt – bis hin zum opulenten Pop-Appeal, der das jüngste Album «All Is Fever» kennzeichnet.


In der Reihenfolge der Bühnenpräsenz: Oliver Welter, Bassist Herwig Zamer-
nik und der zwar in der dritten Reihe stehende, aber für den Gesamtklang
nicht minder prägende Stefan Deisenberger an Keyboards, Computer und Gele-
genheitsgitarre (es fehlt der Schlagzeuger Alex Jezdinsky)


Dessen fulminantes Eröffnungsstück ist auch der Auftakt des Konzerts. Der Stimme von Oliver Welter fehlt zwar die brüchige Sanftheit, die auf den Alben so gut zur Geltung kommt, ist aber noch immer so charakteristisch, dass man die immer wieder erkennbaren Schwächen im Gesang akzeptieren kann. Damit befindet er sich nicht in schlechter Gesellschaft: «Military Of The Heart» hätte beispielsweise auch Oasis gut angestanden. Gut an steht ihnen auch, wie sie die Einzelstimmen der Backing Vocals effektvoll zur «Wall Of Sound» schlichten. Oft wirkt der Hintergrundgesang aber auch ermüdend. Er besteht mehrheitlich aus mit Kopfstimme gesungenen einzelnen Silben, die mitunter arg penetrant repetiert werden. Umso schöner, dass Oliver Welter den simple Charme von «Shine On», zu dem er sich während der ersten Strophen nur auf der Gitarre begleitet, auch live reproduziert. Und mit dem hymnischen «The Sun» als wohlkalkulierter Zugabe machen Naked Lunch ein weiteres Mal vergessen, dass sie zwischendurch mehr Licht gebraucht hätten.

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