Sonntag, 17. Juni 2012
Iman Türkmen – Wir kommen
thenoise, 13:41h

Dass das alles nur abstrakt darstellbar ist (oder dargestellt wird), macht es populistischen Vorwürfen umso leichter. Daher ist es umso wichtiger, die Argumente zu sammeln und konzentriert darzustellen. Der österreichische Student Inan Türkmen hat das gemacht – im Stil von Thilo Sarrazin. Er hat die berechtigte Betroffenheit über beständige Diskriminierung nicht überwunden und übergießt in «Wir kommen» den Leser mit pauschalen Vorwürfen. Seine Welt ist in zwei Lager gespalten: die dem Untergang geweihten Europäer und – ganz so als ob es keine anderen Migranten gebe – die Türken als die zukünftigen Herrscher. «Uns gehört die Zukunft», ist der Grundtenor des Buches, das im Sinn des «ihr werdet schon noch sehen» die feindliche Übernahme androht.
Inan Türkmen mag sich mit seinem durchweg schlicht formulierten Text den Frust von der Seele geschrieben haben. Zur Debatte um Migration, Integration und Ausländerfeindlichkeit leistet er damit keinerlei sinnvollen Beitrag. Dass – so meine möglicherweise vorurteilsbehaftete Unterstellung – die hartnäckigen Ausländerfeinde diesen überflüssigen Text nicht lesen werden, ist wohl positiv zu sehen. Offenbar hat auch Ignoranz seine positiven Seiten.
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