Sonntag, 30. März 2014
Heimspiel in der Fremde
Garish müssen nicht fulminant aufspielen, um am anderen Ende des Landes zu punkten
Die Entfernung könnte nicht größer sein: Doch obwohl Garish vom anderen Ende des Landes kommen, werden sie vom Publikum empfangen wie die Dornbirn Bulldogs nach dem Auswärtssieg ihres Lebens. Und das burgenländische Quintett bietet, was von ihnen erwartet wird: Ohrwürmer, gefühlvoll und tanzbar, aufgewertet durch assoziationsreiche Texte. Das alles bieten Garish auf ihrem neuen Album "Trumpf" – und mehr müssen sie für ein Heimspiel nicht bieten. Routiniert wechseln die Musiker zwischen einfühlsamen und flotten Passagen und liefern zwischendurch mit Triangel und Mandoline eher ungewöhnliche Klangfarben.
Für "Auf den Dächern" reduzieren sich Garish zum Duo, "Unglück trägt den selben Namen" erinnert an ein Bänkellied, zwischendurch – etwa bei "Den Idioten zum Beweis" – imitieren sie Element of Crime und dazwischen sind sie immer wieder ein wenig langweilig.



Wer die richtigen Fans hat, wird trotzdem bis zum Umfallen auf die Bühne zurückgerufen. Obwohl der Abschied mit "Paris", "Abendrot" "Eisenherz" und "Schaltzentrale" nichts Neues bringt, so ist er immerhin von schlichter Schönheit.

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Sonntag, 23. März 2014
Ganz Paris ...
... singt Oh la la.

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Montag, 17. Februar 2014
Attitüdenfrei
Die Nerven im Spielboden in Dornbirn (A)
Das haben wir alles schon gehört: Grobe Rückkoppelungen, die weit weniger interessant sirren als noch bei Jimi Hendrix; hinausgeschriene oder sprechgesungene Texte, die vergleichsweise lange und simple Instrumentalpassagen nur kurz unterbrechen. Doch die Schwaben, der Name scheint Programm zu sein, treffen den Nerv und heben sich – wenn man das bei derart roher Musik sagen darf – wohltuend von den Indie-Rockern ab, deren Musik mehr vom Zeitgeist als vom musikalischen Selbstverständnis geprägt ist.
Dass ihre Texte kaum zu verstehen sind, der Bass nicht annähernd so schön knallt wie auf dem Album und auch sonst der Klang zu wünschen übrig lässt: Es tut dem Vergnügen keinen Abbruch. Wären Die Nerven Fotografen, so würden sie keine geleckten Bilder machen, sondern unscharfe und verwischte – atmosphärische Momentaufnahmen, die technisch mangelhaft sein mögen, aber umso mehr Ausstrahlung besitzen.


Sieht besinnlicher aus als seine Musik: Max Rieger, Sänger und Gitarrist von
Die Nerven


Das Trio geht kühl und doch engagiert zur Sache. Wenig Interaktion mit dem Publikum, wenig untereinander. Man freut sich eher im Stillen, wenn ein Übergang klappt oder der eher diffizile Abschluss eines Stückes.
Das von wem auch immer vergebene Attribut «Hipsterband für alte Szenesäcke» führt das Trio auf ihrer Webseite als eine ihrer Lieblingsbezeichnungen auf. Tatsächlich erinnern Die Nerven an die Endsiebziger No-Future-Bands. «Was auch immer wir jetzt lernen, ist mit Sicherheit nicht wichtig/Was auch immer wir jetzt lernen, ist mit Sicherheit egal», konstatieren sie nüchtern in ihrem Song «Albtraum» und dass sie nichts mehr erwarten. Dazu passen der rohe Klang und der immer wieder schwerfällige Rhythmus genauso wie ein Auftritt, der frei von Attitüden ist. Noch hat sich offenbar nicht herumgesprochen, dass die Musik des Trios auf der von Bands wie Sonic Youth und Joy Division aufbaut. Es sind kaum «alte Szenesäcke» da, für die ihre Musik sein soll. Das Publikum der Nerven ist überwiegend jung wie sie selbst. Doch bestehen können sie auch vor älteren Semestern – geht alle hin und hört.

Die nächsten Konzerte

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Dienstag, 11. Februar 2014
“Stimmen Bayerns – Die Freiheit”
Die Bayern sagen sich ein besonderes Verhältnis zur Freiheit nach. Außerhalb des Bundeslandes registriert man das vor allem durch die idyllisierende Stilisierung des Räubers und Polizistenmörders Matthias Kneißl zum Freiheitsheld und vielleicht mehr noch, weil sie auf der bundespolitischen Bühne ständig eine Sonderrolle für sich beanspruchen. Dass es zahlreiche Zeugnisse des bayerischen Freiheitsdrangs gibt, zeigt die jüngste Ausgabe der Reihe «Stimmen Bayerns», die – natürlich aus bayerischer Perspektive – so ziemlich alle Facetten der Freiheit beleuchtet. Das reicht von Georg Queris Erzählung vom «Haberfeldtreiben», ein Brauch aus dem 18. Jahrhundert, bis hin zu den Schwabinger Krawallen im Jahr 1962. Die Zahl der Beiträger ist so illuster wie die Bandbreite. Die üblichen Verdächtigen – Georg Ringsgwandl, Gerhard Polt, Willy Michl und die Spider Murphy Gang – fehlen ebenso wenig wie so obskure Beiträger wie Sigurd Kämpft. Das ergibt eine Mischung, die amüsant und abwechslungsreich ist, die nachdenklich stimmt und zwischendurch auch nervt. Selbst wenn es stimmen sollte, dass die Bayern freiheitsliebender sind als die Menschen in anderen Bundesländern: Der künstlerische Ausdruck erreicht nicht bei allen Beiträgern die Intensität der Freiheitsliebe. Dichter wäre die Zusammenstellung geworden, wenn man sich auf eine CD beschränkt hätte.

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Samstag, 8. Februar 2014
Guz - Der beste Freund des Menschen
Diplomatische Bemühungen reichen nicht, um Nordkorea zu befreien. Das schafft nur General Guz, der zwar mit Pauken, aber ganz ohne Fanfaren in der nordkoreanischen Hauptstadt einreitet. Seine Eroberungshymne, «General Guz befreit Pyongyang», ist ein Instrumentalstück mit Rock’n'Roll-Schlagzeug und Italo-Western-Trompete. Sie wirkt ein wenig wie die Erkennungsmelodie einer Kinder-TV-Serie – mit einem Diktator, der so lächerlich ist wie die Daltons, und einem General der sich selbstironisch als Mischung aus Rin Tin Tin und Rantanplan sieht.

Guz mischt die Stile, strickt «Hey Jude» von den Beatles um und fegt im Charleston-Schritt aufs Parkett. Dazu erzählt er seine allltagsbanalen Geschichten («Hassloch») und ernsten Nonsens («Komm lass uns Drogen nehmen und rumfahr’n»). In seinen scheinbar simplen Liedern steckt wie immer wesentlich mehr als man auf Anhieb erkennt. So konterkariert er die kleinbürgerliche Zufriedenheit, die die hessische Kleinstadt Hassloch ausstrahlt , indem er das Finale des Stücks ironisch-bombastisch aufbauscht. Und wenn er zurückschaut («1984»), macht er das mit einem selbstironisch-spöttischen Blick. «Ich und meine Scheiß-Band – ich hoffe, ihr habt uns nie gehört. Ich wollte nur eine Freundin, doch sie hielt mich für total gestört», lässt er sein lyrisches Ich über seine ursprüngliche Motivation berichten, die ihn zur Musik geführt hat. (In einem vor vielen Jahren geführten Interview gab er einen anderen, realistischer wirkenden Grund an.)

Wie immer erzählt der Schaffhauser Liedermacher seine Geschichten aus dem Alltag mit liebevoll-sarkastischem Blick. Wiederum hat er die meisten Instrumente selbst eingespielt und sein Stil-Repertoire erweitert. Doch egal, welchen Stil er auch zitiert, es bleibt immer Guz.

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