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Sonntag, 6. Januar 2013
Viel zu sehen und zu hören
Das Münchner Haus der Kunst widmet dem Plattenlabel ECM eine beachtliche Ausstellung
Das Münchner Haus der Kunst widmet dem Plattenlabel ECM eine beachtliche Ausstellung
thenoise, 20:18h
Die ECM New Series seien «die andere Bibliothek der Musik», schreibt Wolfgang Sandner im Katalog zur Ausstellung «ECM – Eine kulturelle Archäologie». Der Verweis des ehemaligen Musikredakteurs und Dozenten am Musikwissenschaftlichen Institut der Philipps-Universität Marburg verdeutlicht die Herangehensweise von Labelchef Manfred Eicher. Wie ein Buchverleger alten Schlags – den heute seltene Ausnahmen wie Gerhard Steidl verkörpern – macht er seine Produkte zum stimmigen Gesamtkunstwerk. Mit mehr als tausend Veröffentlichungen, von denen im Sinn der Werkpflege auch weniger gut verkäufliche weiterhin lieferbar sind, zählt ECM zweifellos zu den wichtigsten Labels für Jazz und Klassik. Die Ehrfurcht gebietende Wand mit den Mastertapes der Aufnahmen von Keith Jarrett, Chick Corea Jan Garbarek, Pat Metheny oder dem Art Ensemble of Chicago, im ersten Raum der Ausstellung aufgebaut, ist dafür ein eindrückliches Zeugnis.

Don Cherry und Manfred Eicher im Tonstudio Bauer in Ludwigsburg, 1978
(Photo: Roberto Masotti)
Die Ausstellung im Münchner Haus der Kunst ist eine Huldigung. Die fotografischen Zeugnisse des Auf- und Ausbruchs von Musikern wie Mal Waldron, Derek Bailey, Dave Holland und dem Art Ensemble of Chicago werden im gediegenen Passepartout staatstragend präsentiert. Auszüge aus Partituren von wegweisenden Aufnahmen fehlen ebensowenig wie der Dokumentarfilm «See the Music» mit Manfred Eicher als Bassist, Interviews mit dem jungen Keith Jarrett und zahlreiche Stationen mit Hörproben aus dem reichhaltigen Programm. Auch die Zusammenarbeit mit dem Nouvelle-Vague-Regisseur Jean-Luc Godard und die filmische Arbeit der Sängerin Meredith Monk werden präsentiert. Die Erkundungstour, zu der die Ausstellung einlädt, ist abwechslungsreich und bietet vielfältige Zugangsmöglichkeiten – eine Offenheit, die ECM vorlebt und dem Label entspricht. So ist Eicher, der ursprünglich improvisierten Jazz in der Qualität von Klassikaufnahmen bieten wollte, längst zu einem gewichtigen Anbieter im Klassik-Markt geworden, mit Vertretern wie Arvo Pärt für die zeitgenössische Musik und Bach-Interpretationen von András Schiff.

ECM-Mastertapes (Foto: Wilfried Petzi, 2012)
«ECM – Eine kulturelle Archäologie» ist eine gelungene Rückschau, die – etwa mit der Präsentation der Filme und Konzertmitschnitte von Meredith Monk – auch sonst nur schwer zugängliche Arbeiten bietet. Die Ausstellung arbeitet vorwiegend mit Artefakten, bietet aber auch einen neuen, extra für die Ausstellung in Auftrag gegebenen Videoessay des Künstlerkollektivs Otolith Group. Diese hat sich dazu von drei Alben inspirieren lassen, die das Trio Codona (Don Cherry, Collin Walcott und Naná Vasconselos) zwischen 1978 und 1982 aufnahm. Das bringt die damalige Stimmung der Erneuerung mit einer aktuellen Sichtweise zusammen. Gleichzeitig verbindet diese Arbeit Film und Musik – und greift so eine Verbindung auf, die auch Manfred Eicher in der Zusammenarbeit mit Jean-Luc Godard vorgemacht hat.
Der informative Katalog mit vielen Bildern beleuchtet die Geschichte des Labels in Essays und einem Roundtable-Gespräch mit ECM-Gründer Manfred Eicher, Okwui Enwezor (Leiter Haus der Kunst und Kurator der Ausstellung), Steve Lake (Produzent für ECM), dem Journalisten Karl Lippegaus und dem Kommunikationsberater und ehemaligem Musikpublizisten Markus Müller. Er bietet auch eine umfassende Chronologie und Diskografie des Labels ECM.

Don Cherry und Manfred Eicher im Tonstudio Bauer in Ludwigsburg, 1978
(Photo: Roberto Masotti)
Die Ausstellung im Münchner Haus der Kunst ist eine Huldigung. Die fotografischen Zeugnisse des Auf- und Ausbruchs von Musikern wie Mal Waldron, Derek Bailey, Dave Holland und dem Art Ensemble of Chicago werden im gediegenen Passepartout staatstragend präsentiert. Auszüge aus Partituren von wegweisenden Aufnahmen fehlen ebensowenig wie der Dokumentarfilm «See the Music» mit Manfred Eicher als Bassist, Interviews mit dem jungen Keith Jarrett und zahlreiche Stationen mit Hörproben aus dem reichhaltigen Programm. Auch die Zusammenarbeit mit dem Nouvelle-Vague-Regisseur Jean-Luc Godard und die filmische Arbeit der Sängerin Meredith Monk werden präsentiert. Die Erkundungstour, zu der die Ausstellung einlädt, ist abwechslungsreich und bietet vielfältige Zugangsmöglichkeiten – eine Offenheit, die ECM vorlebt und dem Label entspricht. So ist Eicher, der ursprünglich improvisierten Jazz in der Qualität von Klassikaufnahmen bieten wollte, längst zu einem gewichtigen Anbieter im Klassik-Markt geworden, mit Vertretern wie Arvo Pärt für die zeitgenössische Musik und Bach-Interpretationen von András Schiff.

ECM-Mastertapes (Foto: Wilfried Petzi, 2012)
«ECM – Eine kulturelle Archäologie» ist eine gelungene Rückschau, die – etwa mit der Präsentation der Filme und Konzertmitschnitte von Meredith Monk – auch sonst nur schwer zugängliche Arbeiten bietet. Die Ausstellung arbeitet vorwiegend mit Artefakten, bietet aber auch einen neuen, extra für die Ausstellung in Auftrag gegebenen Videoessay des Künstlerkollektivs Otolith Group. Diese hat sich dazu von drei Alben inspirieren lassen, die das Trio Codona (Don Cherry, Collin Walcott und Naná Vasconselos) zwischen 1978 und 1982 aufnahm. Das bringt die damalige Stimmung der Erneuerung mit einer aktuellen Sichtweise zusammen. Gleichzeitig verbindet diese Arbeit Film und Musik – und greift so eine Verbindung auf, die auch Manfred Eicher in der Zusammenarbeit mit Jean-Luc Godard vorgemacht hat.
Der informative Katalog mit vielen Bildern beleuchtet die Geschichte des Labels in Essays und einem Roundtable-Gespräch mit ECM-Gründer Manfred Eicher, Okwui Enwezor (Leiter Haus der Kunst und Kurator der Ausstellung), Steve Lake (Produzent für ECM), dem Journalisten Karl Lippegaus und dem Kommunikationsberater und ehemaligem Musikpublizisten Markus Müller. Er bietet auch eine umfassende Chronologie und Diskografie des Labels ECM.
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Donnerstag, 3. Januar 2013
Bruce Barnbaum - Die Kunst der Fotografie
thenoise, 21:34h
Viele Fotografen orientieren sich an Regeln, die sie zu besseren Bildern führen sollen. Dann nehmen sie das Motiv nie in die Bildmitte, sondern ordnen es im Goldenen Schnitt an. Auch der Horizont wird in ihren Bildern nie mittig angeordnet. Und ein Schwarzweißfoto finden sie nur dann perfekt, wenn es den ganzen Tonumfang vom reinen Schwarz bis zum vollkommenen Weiß bietet. Es ist dieses «kleine Einmaleins», das viele Amateure zum Credo erheben. Dabei sind es gerade diese Orientierungshilfen, die dafür sorgen, dass sie mittelmäßige Fotografen bleiben. Bruce Barnbaum liegt dieser formalistische Ansatz überhaupt nicht. Er fordert nachdrücklich zum Regelbruch auf – und belegt mit formal perfekten Bildern die Sinnlosigkeit so mancher Regel. Sein Ansatz ist ein höchst persönlicher: Ein gutes, aussagekräftiges und künstlerisch wertvolles Foto gelingt nur dann, wenn der Fotograf nicht nur ein Abbild schaffen möchte, sondern wenn er eine Aussage hat.
Dass dies leichter gesagt als getan ist, weiß auch Bruce Barnbaum. Deshalb nimmt er den Leser mit auf eine Reise durch seine eigene Entwicklung. Immer wieder betont er wie lange er sich bestimmten Motiven widmet, sie immer differenzierter entdecken muss, bis ihm die Bilder gelingen, die er auch in seinen Ausstellungen präsentiert.
Die Begeisterung, immer wieder Neues zu entdecken, seine Arbeit zu hinterfragen und sich beständig weiterzuentwickeln, ist der Schlüssel zum Erfolg. Und diese Begeisterung vermittelt er in seinem Buch «Die Kunst der Fotografie» in jedem Kapitel, in dem er seine Thesen mit zahlreichen meisterhaften Fotos belegt.
Natürlich kann Bruce Barnbaum mit seinem Lehrbuch keinem Fotografen den mühevollen Weg zum eigenen fotografischen Ausdruck abnehmen. Aber seine Ratschläge sind einleuchtend und seine Tipps sollten es ambitionierten Fotografen leicht machen, vielleicht liebgewonnene Regeln über Bord zu werfen und mögliche Motive mit anderen Augen zu sehen.
Ein wesentlicher Bestandteil des Buches sind handfeste Beschreibungen der Grundlagen der Fotografie, die von Kontrasten, Tonwerten und Schärfentiefe bis hin zu Farben, Filtern und der Ausbelichtung sowie der digitalen Bildbearbeitung reicht. Doch auch diese formalen Grundlagen stellt der amerikanische Fotograf und Workshop-Leiter immer in den Zusammenhang der kreativen, künstlerischen Arbeit.
Bruce Barnbaums «Die Kunst der Fotografie» ist ein wichtiges Grundlagenwerk und gleichzeitig ein opulenter Bildband. Es ist eine Schule des Sehens sowie ein Lehrbuch und Nachschlagewerk, das elementare Grundlagen der Bilderstellung vermittelt. Nicht zuletzt animiert es den Leser dazu, seine Haltung zu hinterfragen, sich eigene Aufgaben zu stellen und einen eigenen Stil zu finden.
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Sonntag, 30. Dezember 2012
Unterbiberger Hofmusik – Bavaturka
thenoise, 16:46h
Je weiter die Traditionen auseinander liegen, desto näher rücken sie wieder zusammen. Die Unterbiberger Hofmusik verschmilzt bayerische Blasmusik mit türkischen Klängen.
Auch die Welt der Musik ist rund – dadurch rücken die Traditionen zusammen, je weiter sie auseinander liegen. Wie vorzüglich bayrische und türkische Musik harmonieren kann, hat die Unterbiberger Hofmusik schon in ihrem Album «Made in Germany» (2010) anklingen lassen und im vergangenen Jahr bei einem Konzert mit dem türkischen Chor und Orchester Armoni Ahenk gezeigt.
Mit ihrem aktuellen Album «Bavaturka» vertieft die Gruppe die bayrisch-türkischen Beziehungen. Dabei greifen sie nicht nur türkische Volkslieder wie das mit seinem Kinderlied-Charakter einfache «Daǧlar gibi dalgari» oder den Volkstanz «Mahur Zeybek» auf. In anderen Kompositionen, die der Komponist Kubilay Üner beigesteuert hat, vermischen sich die unterschiedlichen Traditionen direkt und am überzeugendsten. Das ist kein Zufall: Der in Los Angeles arbeitende Komponist mit türkischen Wurzeln ist in München geboren. Sein Stücke «Dere Geliyor» beruht auf einem Volkslied aus Thrakien, dem europäischen Teil der Türkei, und einem Lied aus dem Bayerischen Wald. Neben diese Crossover-Stücke stellt die Unterbiberger Hofmusik ganz selbstverständlich ihre Interpretationen bayerischer Volkslieder, neue Kompositionen im traditionellen Stil oder auch Jay Ashbys Beschäftigung mit armenischen Volkstänzen. Neben Ashby, der bei einigen Stücken auch Posaune und Perkussion spielt, gibt es noch weitere alte Bekannte: den wie immer quirligen und ideenreichen Trompeter Matthias Schriefl und den Oud-Spieler Şeref Dalyanoǧlu.
Noch sind die Unterbiberger in der türkischen Musik nicht vollends aufgegangen. Deren Dialekt geht ihnen – das ist mehr als verständlich – noch nicht so leicht von der Hand wie der eigene. Auch ohne den direkten Vergleich des Konzertmitschnitts mit dem Armoni-Ahenk-Chor und dem Türkischen Radioorchester merkt man, dass es ihrem Spiel noch an der Selbstverständlichkeit fehlt, die die Stücke so richtig «swingen» lassen würde. Allerdings hat es sich die Unterbiberger Hofmusik auch nicht einfach gemacht und sich weit aus dem Fenster gelehnt: Sie singen auch auf Türkisch. Die Unterbiberger Hofmusik hat ein neues Kapitel im großen Buch der Weltmusik begonnen und sie haben im Sinn, einen Fortsetzungsroman zu schreiben. Der erste Teil ist überaus gelungen, auf die weiteren darf man gespannt sein.
Auch die Welt der Musik ist rund – dadurch rücken die Traditionen zusammen, je weiter sie auseinander liegen. Wie vorzüglich bayrische und türkische Musik harmonieren kann, hat die Unterbiberger Hofmusik schon in ihrem Album «Made in Germany» (2010) anklingen lassen und im vergangenen Jahr bei einem Konzert mit dem türkischen Chor und Orchester Armoni Ahenk gezeigt.Mit ihrem aktuellen Album «Bavaturka» vertieft die Gruppe die bayrisch-türkischen Beziehungen. Dabei greifen sie nicht nur türkische Volkslieder wie das mit seinem Kinderlied-Charakter einfache «Daǧlar gibi dalgari» oder den Volkstanz «Mahur Zeybek» auf. In anderen Kompositionen, die der Komponist Kubilay Üner beigesteuert hat, vermischen sich die unterschiedlichen Traditionen direkt und am überzeugendsten. Das ist kein Zufall: Der in Los Angeles arbeitende Komponist mit türkischen Wurzeln ist in München geboren. Sein Stücke «Dere Geliyor» beruht auf einem Volkslied aus Thrakien, dem europäischen Teil der Türkei, und einem Lied aus dem Bayerischen Wald. Neben diese Crossover-Stücke stellt die Unterbiberger Hofmusik ganz selbstverständlich ihre Interpretationen bayerischer Volkslieder, neue Kompositionen im traditionellen Stil oder auch Jay Ashbys Beschäftigung mit armenischen Volkstänzen. Neben Ashby, der bei einigen Stücken auch Posaune und Perkussion spielt, gibt es noch weitere alte Bekannte: den wie immer quirligen und ideenreichen Trompeter Matthias Schriefl und den Oud-Spieler Şeref Dalyanoǧlu.
Noch sind die Unterbiberger in der türkischen Musik nicht vollends aufgegangen. Deren Dialekt geht ihnen – das ist mehr als verständlich – noch nicht so leicht von der Hand wie der eigene. Auch ohne den direkten Vergleich des Konzertmitschnitts mit dem Armoni-Ahenk-Chor und dem Türkischen Radioorchester merkt man, dass es ihrem Spiel noch an der Selbstverständlichkeit fehlt, die die Stücke so richtig «swingen» lassen würde. Allerdings hat es sich die Unterbiberger Hofmusik auch nicht einfach gemacht und sich weit aus dem Fenster gelehnt: Sie singen auch auf Türkisch. Die Unterbiberger Hofmusik hat ein neues Kapitel im großen Buch der Weltmusik begonnen und sie haben im Sinn, einen Fortsetzungsroman zu schreiben. Der erste Teil ist überaus gelungen, auf die weiteren darf man gespannt sein.
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Samstag, 29. Dezember 2012
Daniel Woodrell – Im Süden. Die Bayou-Trilogie
thenoise, 10:05h
Daniel Woodrells erster Roman erschien 1986. Auf «Cajun Blues» folgten relativ rasch «Der Boss» und «John X». Die ersten deutschen Übersetzungen dieser nun zur «Bayou-Trilogie zusammengefassten Werke erschienen zu Beginn der 90er-Jahre – und nicht unbedingt in einem Verlag, den man mit erstklassiger Literatur verbindet. Doch spätestens seit der Verfilmung und Oscar-Nominierung von «Winters Knochen» zählt Daniel Woodrell zu den angesagtesten Krimiautoren, die mit ihrer Geschichte auch einen ungeschönten Einblick in soziale Milieus geben, die Lesern normalerweise verborgen bleiben. Bereits seine ersten Romane kennzeichnet der unerbittliche Verlauf seiner mitleidlos erzählten Geschichten. Sie spielen im fiktiven St. Bruno am Mississippi-Delta und zeigen nicht nur das große erzählerisches Talent Woodrells, sondern auch sein Gespür für Milieubeschreibungen. Im Erstling, «Cajun Blues», steht die Kriminalgeschichte im Mittelpunkt. Detective Rene Shade hat den Mord an einem Lokalpolitiker aufzuklären und stößt dabei auf einen Korruptionsskandal. Auch der zweiten Roman ist noch auf Rene Shade fokussiert, berichtet aber noch mehr von dessen sozialem Hintergrund. Im dritten – der auch vor gewalthaltigen Szenen nur so strotzt – richtet Woodrell sein Augenmerk auf den großen Abwesenden der ersten beiden Teile: auf Rene Shades Vater John X, ein Kleinganove und Lebemann, der sich mit seinem fulminanten Billard-Spiel sowie mit Wetten, Glücksspiel und kleinen Gaunereien über Wasser hält. Als ihn seine viel jüngere Ehefrau übers Ohr haut und mit dem Geld seines Partners verschwindet, muss John X untertauchen – und das führt ihn zurück in seine Heimat, nach St. Bruno und zu seinen drei ungleichen Söhnen.
Auch wenn seinen ersten, effektvoll erzählten Geschichten die Tiefe fehlt, die Woodrells zuletzt erschienene Romane «Winters Knochen» und «Der Tod von Sweet Mister» einzigartig macht, ist die Bayou-Trilogie weit mehr als spannendes Lesefutter. Denn Daniel Woodrell hat ein ausgeprägtes Talent für witzige Dialoge und originelle Beschreibungen. Er treibt nicht nur die Geschichte weiter, sondern zieht die Leser auch mit seinen Rückblenden und Nebengeschichten in den Bann.
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Donnerstag, 27. Dezember 2012
Terakaft - Kel Tamashek
thenoise, 14:37h
Mit Musik im typisch melancholischen Duktus des Desert-Blues sagen Terakaft "Jahre voller Wut" voraus und beschwören ihre Landsleute eindringlich zur Einigkeit.
Das Album war schon fertig, als islamistische Gruppen den Nordosten Malis in ihre Gewalt brachten und sich damit die unmittelbare Lage wie auch die mittelfristige Perspektive für viele Tuareg verschlechterte. Lieder wie das tranceartige «Idja A Seman», in denen Terakaft-Frontmann Liya Ag Ablil die Schrecken des Krieges anprangert, wirken wie eine zu spät gekommene Mahnung. Das melancholische «Bas Tela Takaraket» wiederum – in dem er davon singt, dass sich die Tuareg nicht unterwerfen und den Weg ihrer Vorfahren unbeirrbar weitergehen werden – klingt wie ein traurig-trotziges Bekenntnis. Denn es gibt keine Einigkeit darüber, welches der richtige Weg ist. Die Einheit, die er in «Tirera» als notwendig für das künftige Glück der Tuareg einfordert, ist in weiter Ferne. In ihren Texten, nur die Hälfte stammt vom Bandleader selbst, singen Terakaft von ihrem Schmerz und ihrer Trauer und sagen voraus, dass die «kommenden Jahre voller Wut» sein werden.
Terakaft behandeln weitgehend die üblichen Themen der Tuareg-Musik – die Erhaltung der traditionellen Lebensweise, aber auch Liebesfreude und -leid – aber ihre Botschaften wirken noch dringlicher. Ebenso stereotyp wie die Themenwahl ist die Spielweise: Unter dem getragenen Gesang liegen treibenden Rhythmen, die hell klingende Gitarre stimmt meist die Melodiestimme mitspielt und wie üblich ist der Chorgesang ausgeprägt. Terakaft überraschen nicht mit neuen Klängen, aber sie zeigen sich als gute Verwalter ihres Erbes.
Das Album war schon fertig, als islamistische Gruppen den Nordosten Malis in ihre Gewalt brachten und sich damit die unmittelbare Lage wie auch die mittelfristige Perspektive für viele Tuareg verschlechterte. Lieder wie das tranceartige «Idja A Seman», in denen Terakaft-Frontmann Liya Ag Ablil die Schrecken des Krieges anprangert, wirken wie eine zu spät gekommene Mahnung. Das melancholische «Bas Tela Takaraket» wiederum – in dem er davon singt, dass sich die Tuareg nicht unterwerfen und den Weg ihrer Vorfahren unbeirrbar weitergehen werden – klingt wie ein traurig-trotziges Bekenntnis. Denn es gibt keine Einigkeit darüber, welches der richtige Weg ist. Die Einheit, die er in «Tirera» als notwendig für das künftige Glück der Tuareg einfordert, ist in weiter Ferne. In ihren Texten, nur die Hälfte stammt vom Bandleader selbst, singen Terakaft von ihrem Schmerz und ihrer Trauer und sagen voraus, dass die «kommenden Jahre voller Wut» sein werden. Terakaft behandeln weitgehend die üblichen Themen der Tuareg-Musik – die Erhaltung der traditionellen Lebensweise, aber auch Liebesfreude und -leid – aber ihre Botschaften wirken noch dringlicher. Ebenso stereotyp wie die Themenwahl ist die Spielweise: Unter dem getragenen Gesang liegen treibenden Rhythmen, die hell klingende Gitarre stimmt meist die Melodiestimme mitspielt und wie üblich ist der Chorgesang ausgeprägt. Terakaft überraschen nicht mit neuen Klängen, aber sie zeigen sich als gute Verwalter ihres Erbes.
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