Donnerstag, 3. Juni 2010
Torpedo Boyz - Return Of The Ausländers
Die Texte sind meist Nonsens (mitunter sogar höherer) und ihre Musik ist grob und funky -- die Torpedo Boyz wollen offenbar nichts anderes als Spaß haben und Spaß verbreiten. Das machen sie mit Wortwitz ("Ich bin Ausländer, leider zum Glück"), ohne Scheu vor starkem Akzent bei englischen Texten und mit Spass am Nonsens (was sich unter anderem daran zeigt, dass sie aus der Ansage des automatischen Wecksystem eines Hotels einen Song fabrizieren. Ob "Fat Mans Walk" oder "Silly On The Beach" (das wie die bekannte Kino-Eisreklame klamaukige Stranderbegebenheiten aneinanderreiht) ist charmant-schräg und verbreitet von Anfang bis zum Ende gute Laune.

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Sonntag, 30. Mai 2010
Zum Glück hat er Gunkl
Alfred Dorfer bei den Oltner Kabarett-Tagen. Aus dem Film «Indien», meiner Meinung nach ohnehin überschätzt, ist er mir nicht mehr in Erinnerung; was ich nachlese, klingt jedoch interessant.
Dann überwiegt – seine Gestik weitgehend abgegriffen und einige Witze sind so abgstanden, dass es eine Schande ist – die Enttäuschung. Alfred Dorfer kasteit ein bisschen die Österreicher, teilt ein wenig gegen EU und Deutschland aus und macht sich auch über die Schweizer lustig. Sein aktuelles Programm «fremd» bietet – Bemerkungen etwa über Inzest-Katholiken sind längst nicht mehr originell – nicht mehr als konventionelle Kabarett-Unterhaltung.
Am besten ist es noch, wenn Gunkl eingreift, der als Bassisist und Saxofonist eines unoriginellen, rockigen Trios dabei ist.

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Dienstag, 18. Mai 2010
Harry Rowohlt - John Rock oder der Teufel
Das Hardcover wird gerade verramscht. Vor sechs Jahren erschienen, war es erstaunlich lange im Programm. Erstaunlich spät kommt dafür das Hörbuch. Jetzt können auch Verleger in den Genuss des Buches kommen. Denn diese, erklärt der Autor, könnten nicht lesen (aber nur die wenigsten hatten, wie Rowohlts Vater, ein ärztliches Attest zur Begründung). «John Rock» ist eine durchaus amüsante Petitesse, in der Harry Rowohlt einen Western-Schundroman parodiert. Das ist aber ebenso egal wie die abstruse Geschichte. Wichtiger als diese sind - neben seiner brummigen Stimme - nämlich Rowohlts Anmerkungen und Kommentare. So erklärt er, warum die Blockhütte in seinem Western-Groschenroman ein Reetdach hat oder weist auf ein paar plattdeutsche Ausdrücke hin.
Rowohlt geht es um den Schabernack - den treibt er hier zwar nicht auf die Spitze, aber für ein wenig Abwechslung im Morgenstau sorgt er durchaus. Lange darf der allerdings nicht dauern, nach 23 Minuten ist das Vergnügen schon wieder vorbei.

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Dienstag, 18. Mai 2010
«Es ist die Kunst, ja ja, die macht mich immer jünger»
Maria Lassnig im Münchner Lenbachhaus
Sie nehmen beide eine vergleichbare Pose ein, aber während das eine Bild ziemlich nichtssagend wirkt, ist das andere kraftvoll und ausdrucksstark. Die junge Musikerin Heidi Happy stellt für das Cover ihres aktuellen Albums die Pose nach, in der sich die damals 86-jährige Malerin Maria Lassnig 2005 gemalt hat: einen Revolver an ihre Schläfe gerichtet, den anderen auf den Betrachter. «Du oder ich» heißt das Bild, in dem die Malerin gleichzeitig erstaunt, erwartungsvoll gespannt und drohend sicher schaut. Die aktuellen Werke der österreichischen Malerin wirken genauso jung und frisch wie die Lieder der um Generationen jüngeren Schweizer Musikerin.


Landmädchen, 2001, Öl auf Leinwand
© Maria Lassnig


Von grober Sinnlichkeit und fleischlich sind Lassnigs Körper, aber auch bis ans Groteske grenzend verzerrt und mitunter comicartig verfremdet. Oft stehen ihre Figuren vor einem weißen Hintergrund. Ein anderer würde Atmosphäre vermitteln, hat Maria Lassnig einmal erklärt, und die brauche sie nicht. Es geht ihr auch nicht um das Bild vom Körper, sondern um die Körperempfindung. Das Ergebnis ist mitunter die – wie beispielsweise auch in ihrem Selbstporträt als «Landmädchen», in dem sie in jugendlicher Mackerpose selbstbewusst mit dem Easy-Rider-Mofa die Rocker-Oma gibt – schonungslos real wirkende Erkundung ihrer eigenen Körpers. In relativ satten, recht großflächig aufgetragenen Farben (die alles andere als Vorteilhaft sind) und mit einem markanten Gesichtsausdruck. Die Kunst, stellt Maria Lassnig in ihrem autobiographischem Zeichentrickfilm «Kantate» fest (er ist neben einigen anderen auch zu sehen), mache sie immer jünger. Im Lenbachhaus findet man die Bestätigung.

Der Katalog zur Ausstellung, mit einer Lassnig zugeeigneten Epistel von Durs Grünbein, drei kurzen Essays zum Werk (darunter auch zu ihren Zeichentrickfilmen) sowie einer ausführlichen Biographie und natürlich zahlreichen Abbildungen ist im Berliner Distanz-Verlag erschienen.

Maria Lassnig, Lenbachhaus, München, bis 27.2. bis 30.5.2010.

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Sonntag, 9. Mai 2010
Nachlader - Koma Baby lebt
Lieder wie «Pommes und Disco» oder «Komm mit» könnten mit ihrem monotonen Sprechgesang auch von Die Sterne stammen. Und wer die Texte von deren Chef Frank Spilker mag, wird auch an denen von Daniel Baumann Gefallen finden. Der Berliner Musiker hat Spass am Wortspiel und fragt sich in bester Sterne-Manier zu seinem Kontostand «Warum muss ich immer Soll haben, obwohl ich Haben haben soll?» Für solche Texte hat er Talent, auch wenn er mitunter ein wenig kalauert.
Aber Daniel Baumann schreibt auch Lieder, deren Geschichte an den Witz von Karl Valentin oder Christian Morgenstern erinnern. So lässt sich der weltbeste Trampolinspringer ein Arbeitsgerät in der Größe von zwanzig Fußballfeldern hinstellen: «Er sprang so hoch wie nie im pittoresken Abendlicht, aber gelandet ist er bis heute nicht.»
Transportiert werden die Nachlader-Lieder von durchweg einfachem, relativ rustikalen Synthie-Pop. Baumann versucht nicht diesen zu glätten, komponiert aber mit Drive und lebt seinen Hang zum Mitsingrefrain aus. Das macht schon auf Konserve immer wieder gute Laune und könnte auch live ganz charmant wirken.

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