Sonntag, 18. Oktober 2009
Mein Mio - Irgendwo in dieser großen Stadt
Ihren Bandnamen haben sie dem Titel einer Astrid-Lindgren-Geschichte entnommen und ihre Lieder nennen sie Großstadtmärchen. Sind die vier jungen Herren bei Märchenbüchern hängen geblieben? Meinetwegen. Vielleicht hat ja das für die Sensibilität gesorgt, mit der sie ihre Lieder arrangiert haben, und für das Gespür, mit der Sebastian Block textet und singt.
Großstadtmärchen schreibt er übrigens nicht, sondern durchaus über die normalen Befindlichkeiten: über die Liebe natürlich, über die Sehnsucht, dass der Freitag und die Wochenendbeziehung kommen mögen, und auch über die Suche nach dem richtigen Platz in der Welt. Block findet seine eigenen Worte und seine Band die passend gefühlvollen und spannend aufgebauten Ohrwürmer. Die Lieder von Mein Mio wirken - bei allen vorhandenen Reminiszenzen - zeitlos. Sie sind durchdacht und einfach schön.

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Samstag, 17. Oktober 2009
China hält nicht, was es verspricht
Carsick Cars und Joyside im Haus der Kunst, München
Vor wenigen Jahren zeichnete der Film Beijing Bubbles ein – wie könnte es auch anders sein – rebellisches und unkonventionelles Bild der chinesischen Underground-Musikszene. Seine Macher trafen auf eine Marktlücke und organisierten Tourneen mit den Protagonisten des Films. Im Fahrwasser der Frankfurter Buchmesse mit China als Gastland brachten sie wiederum zwei der bekanntesten Vertreter der aktuellen chinesischen Underground-Szene (so der Werbetext) für einige Konzerte nach Deutschland. Nimmt man sie als Qualitätsmaßstab, scheint es um den chinesischen Musiknachwuchs schlecht bestellt.

Das Trio Carsick Cars präsentiert sich als hölzern agierende Schülerband, deren Gitarrist Zhang Shouwang sich nicht nur von einer Saite durcheinanderbringen ließ (vom Organisator zur defekten Gitarre stilisiert), die bereits beim ersten Intro riss, sondern auch erkleckliche Mühe hatte, seine Gitarre richtig zu stimmen. Immerhin zeigte der Zwischenfall, dass die chinesische Rollenverteilung der bei uns üblichen entspricht: Während der Bassist seinen Kollegen gelangweilt der Verzweiflung überließ, sprang ihm die Schlagzeugerin Li Qing helfend zur Seite.


Nach dem Kampf mit dem Material:
Zhang Shouwang von Carsick Cars


Dass der erste Teil des Sets überaus langweilig war, lag kaum an diesem frühen Zwischenfall. Eintönigkeit ist ein Grundelement der Carsick Cars. Li Qing (die Multiinstrumentalistin gilt als Vorzeigefrau der chinesischen Musikszene und ist Gitarre bei Snapline) mühte sich am Schlagzeug redlich ab, ohne jedoch wirkliche Akzente zu setzen, der Bassist zupft die vom Gitarristen vorgegebenen Melodielinien nach. Carsick Cars, bekannt für ihre wilden Live-Auftritte (so der PR-Text) entpuppen sich als weitgehend öde Gruppe, die erst durch die – durchaus nicht unkonventionellen – lärmigen Elemente des Gitarristen etwas Farbe bekommt.


Bohèmien-Schal und Lederhöschen:
Joyside-Sänger Bian Yuan als Jim-Morrison-Verschnitt.


Bei Joyside richtet sich zwar die Aufmerksamkeit auf Sänger Bian Yuan, der sich auf die solide Basis seiner Kollegen verlassen konnte. Der Kopf der wildesten und begehrtesten Punkband Chinas (aus der Ankündigung) hat sich offenbar gewandelt, ohne seine PR-Verantwortlichen zu informieren: Er tritt als Jim-Morrison-Klon auf die Bühne und bringt mit seinen Mannen eine biedere Show zu konventionellem Rock. Neben Bin Yuan fällt allenfalls der Gitarrist auf, der sich sein Posing wohl von Uriah Heep abgeschaut hat und offensichtlich meint, alleine durch unnötige Ansagen und seine Versuche, das Wort Scheisse auszusprechen, cool und unkonventionell zu sein. Musikalisch bringen Joyside nichts, was man nicht schon unzählige Male in mindestens der gleichen Qualität gehört hat.

So bleiben es Exotenbonus und versiertes Marketing, die das Interesse an den beiden Gruppen wecken. Kämen sie aus Deutschland, würden sie vermutlich noch immer in der Aula der Hauptschule Spatzenhausen spielen.
Ob die beiden Bands nur schale Konzerte spielen, dafür aber im Studio mehr aus ihren Songs herausholen, wird man bald anhand aktueller Produktionen feststellen können. Ihre neuen Alben Maybe tonight (Joyside) und You can listen, you can talk (Carsick Cars) sollen noch im Oktober erscheinen.

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Mittwoch, 30. September 2009
The Nuskin - Oldnu
The Nuskin nehmen sich Standards vor - Nuages, In the mood, It don't mean a thing oder Fever -, die sie klar erkennbar im Nu-Jazz-Kleid mit Electronics und Sprechgesang bringen. Das ist schön, weil vertraut, nett, weil neu, bringt aber unterm Strich keine wirklich neue Sichtweise auf die Musik - gefällig, aber überflüssig.

Gehört: beim Frühstück

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Montag, 14. September 2009
Werner Aeschbacher - Solo
Das lange verachtete Akkordeon ist mittlerweile ein zumindest unter Musikfreunden respektiertes Instrument. Das ist nicht nur Tex-Mex-Musikern wie Flaco Jimenez zu verdanken, sondern auch Indie- und Jazz-Bands ohne Scheu (Calexico, Tin Hat Trio) und natürlich besonders Akkordeonisten wie Bratko Bibic, Maria Kalaniemi und Guy Klucevsek, die sich mit Otto Lechner zu Accordion Tribe zusammengefunden haben. In der Schweiz sind es der avantgardistische Akkordeonist Hans Hassler, Erika Stucky oder der im Traditionellen verwurzelte Werner Aeschbacher.

Werner Aeschbachers Stücke sind durchweg einfach, minimalistisch und unaufgeregt. Es sind Stücke von einem, der in sich hineinhorcht, Lieder die atmen. Gelegentlich sind sie sogar 'lüpfig' (leichtfüßig) - und dabei trotzdem bei weitem nicht so oberflächlich wie die normalerweise als 'lüpfig' bezeichnete Volksmusik. Werner Aeschbacher bedient auch Menschen, die sich gerne zum 3/4-Takt drehen, aber er legte es nicht darauf an, ausgelassene Massen zu übertönen. Er spielt für die leisen Genießer; seine Lieder wollen, dass man in sie hineinhört.

Aufgefallen ist Werner Aeschbacher durch die überraschende Zusammenarbeit mit Martin Hägler, der seinen Stücken einen avantgardistischen Touch verlieh. Manche der mit Hägler eingespielten Stücke - das lebendige "A Ufsteuer füre Ueli" oder das originelle "Banana Joe" - bringt Werner Aeschbacher auch auf seinem ersten Soloalbum. Und siehe da: Es fehlt nichts. So schön und interessant die moderne Begleitung ist - die Stücke von Werner Aeschbacher kommen problemlos ohne sie aus. Und das nicht nur, weil er den Klang der unterschiedlichsten Knopfharmonikas auslotet, sondern die traditionellen Grundlagen genauso in seine eigene Sprache transponiert wie fremde Einflüsse von Musette, Tango und Tarantelle.

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Freitag, 28. August 2009
Etikettenschwindel
Den Briefwechsel ich echtzeit von damals ins heute zu transponieren ist kein Blog - und doch ohne Blog nicht möglich. Ein hübsches Projekt. Da frage ich nicht, ob es denn nicht richtiger wäre, das Empfangsdatum zu wählen und nicht das Datum des Verfassens.

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