Freitag, 26. Juni 2009
Seun Kuti & Fela's Egypt 80 - Many Things
Jetzt also auch der kleine Bruder: Nachdem Femi Kuti den von seinem Vater Fela miterfundenen Afrobeat weitergeführt hat, kommt mit Seun das nächste Familienmitglied. Der jüngste, jetzt 27-jährige Seun hat sich mit seinem Debütalbum lange Zeit gelassen. Er hatte bereits nach dem Tod seines Vaters (1997) dessen Band Egypt 80 übernommen, der er schon angehört, seit er neun Jahre alt war.

Während Femi Kuti die sanftere, an den Jazz angelehnte Version des Afrobeat spielt und seinen eigenen Weg sucht, kennt Seun keine Emanzipationsgelüste. Die Songs sind ganz im Geist des Vaters -- von der politischen Einstellung, den unwirschen und in unverblümten Pidgin-Englisch hingeworfenen Worten und der stolzen Haltung des Sängers und Saxophonisten bis hin zum Klang. Seun Kutis Afrobeat ist rau wie seine Stimme. Er glänzt mit funkigen Gitarren, scharfen Bläsern und treibendem Chorgesang.

Die auf Many Things enthaltenen Songs spielt Seun Kuti schon lange live; jetzt ist das bereits im vergangenen Jahr erschienene Album auch in Deutschland erhältlich.

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Montag, 22. Juni 2009
Dobet Gnahoré - Ana Neko
Ich dachte, Ana Neko sei ein neues Album, dabei ist es ihr Debüt. Nicht schlecht, aber das zweite Album ist um Klassen besser.

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Donnerstag, 18. Juni 2009
Justin Adams & Juldeh Camara - Tell No Lies
Erst gingen die europäischen und amerikanischen Musiker – zum Beispiel Damon Albarn – nach Afrika, um Inspirationen zu suchen, dann holten sich die afrikanischen westliches Knowhow ins Land (Amadou & Mariam). Das Feld der Kollaborationen ist abgegrast. Justin Adams weiß das. Er ging in den 1990er-Jahren mit Jah Wobble auf musikalische Entdeckungsreise und produziert unter anderen die marokkanische Tuareg-Blues-Band Tinariwen.
Den ersten eigenständigen Erfolg feierte der Gitarrist (u.a. in der Band von Robert Plant) nach der Jahrtausendwende mit seinem vom afrikanischen Blues inspirierten Album "Desert Road", den er mit dem Album "Soul Science", eingespielt mit dem Gambier Juldeh Camara, noch übertreffen konnte. Mit "Tell No Lies" kombiniert er die treibenden, vorwärtsgerichteten afrikanischen Rhythmen mit rohem Blues ("Tonio Yima") und Rock'n'Roll-Klängen der 1950er-Jahre ("Kele Kele"). Das bietet sich an und bietet immerhin eine neue Facette der euro-afrikanischen Zusammenarbeit. Anders als das artifiziellere und eigenständigere Album "Mali Music", das vom Entdecken neuer Ideen lebt, liegt der Reiz von "Tell No Lies" im Wiedererkennen der neu erweckten alt(modisch)en Klänge. Die Melange klingt – vor allem bei den flotteren Stücken – trotzdem recht frisch und unterhaltsam.

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Donnerstag, 11. Juni 2009
Moralischer Triathlon
Am vergangenen Wochenende musste ich zum Marathon - nicht um zu laufen, sondern um darüber zu berichten. Es war ein Großereignis und - nicht nur als solches - völlig überflüssig. Dieser Kategorie habe ich bis vor wenigen Minuten jede Sportveranstaltung zugeordnet. Dabei hat Heinz Ratz einen Triathlon erfunden, bei dem sogar ich gerne am Etappenziel stehen würde.

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Sonntag, 7. Juni 2009
Ringsgwandl - Untersendling
Keine kuriosen Ausflüge ins Zitherspiel, etwas weniger Klamauk und doch voller Witz: "Untersendling" - musikalisch tadellos funkig, rockig und folkig, melodiös, abwechslungsreich und kompakt - ist ein Album, wie man es von Ringsgwandl erwarten darf.
Inhaltlich bewegt sich der bayerische Liedermacher und Kabarettist auf vertrautem Terrain. Er betet wieder eine Frau an, der sonst niemand ein Lied widmet (hervorragend, Beim Bäcker Meier), übt Kapitalismuskritik (zu einfach, Schuah putzn), macht sich über gehörnte Ehemänner lustig (nicht durchgehend stilsicher, Analog) und thematisiert die Veränderung der Heimat (gelungen, Dahoam is net dahoam). Er spielt wieder den armen Einsamen und den unter die Räder kommenden Angestellten, aber auch den gewitzten Kommentator, der es sich mitunter zu leicht macht.

Von Ringsgwandl darf man mehr erwarten als stereotype Betrachtungen über Vorgesetzte, die tadellos wirken aber letztlich doch knallhart ihre eigenen Interessen verfolgen, oder über erfolgreiche (und nach Ansicht von Ringsgwandl und Stammtischpolitikern damit zwangsläufig skrupellose) Unternehmer, die ihre Beziehung vernachlässigen und deren Frau in den Armen der von ihnen Verachteten landen. Doch auch dann, wenn die grobe Richtung zu einfach ist, setzt er immer wieder mit eindrücklichen Beobachtungen und witzigen Formulierungen kleine Rettungsanker für weniger gelungene Lieder.
Wenn das Album mit dem einfachen, eindringlich-ruhigen und subtilen Kemma Sehng ausklingt, ist man ohnehin mit Allem versöhnt.

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