Donnerstag, 16. April 2009
Dienz Mixed Ensemble - Mon Afrique de l'Ouest
Einer mehr, der Alltagsgeräusche sammelt und dazu frei assoziierte Musik dazu schreibt - ein bisschen atonal, ein bisschen groovig und trotz fliegender Hunde nur ein bisschen befremdlich. Auch ein bisschen gut.

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Dienstag, 14. April 2009
Hieße ich Wolfgang Tillmans, wäre dieses Foto bald berühmt.

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Samstag, 11. April 2009
Gianmaria Testa - Solo dal vivo
Es sei ein Konzert gewesen, wie es nicht immer gelingt, befand Gianmaria Testa und beschloss den Mitschnitt zu veröffentlichen, obwohl dieser technisch nicht perfekt ist. Aber es braucht keine Perfektion, wenn das Gefühl stimmt. Und ein bisschen ist es auch Koketterie: Auch wenn das Album als ein 'Raubmitschnitt mit der Erlaubnis des Künstlers' verkauft wird, verglichen mit einem richtigen Bootleg klingt es technisch hervorragend. Der wegen seiner Stimme gerne mit Paolo Conte verglichene Bauernsohn aus dem Piemont beweist mit diesem Solo-Konzert, welche Kraft in seinen ruhigen Liedern steckt. Er muss keine Schwächen hinter üppigen Arrangements verstecken und braucht keinen verschmitzten Spaßmacher auf der Bühne, der mit originellen Einlagen für Stimmung sorgt. Die Lieder von Gianmaria Testa sind nicht nur dann mitreißend, wenn er im Trio auftritt, sie bezaubern auch in ihrer (fast) maximalen Reduktion auf Stimme und Gitarre.

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Sonntag, 5. April 2009
«Zwangsunterhaltung ist meine Stärke»
Peter Sarbach amüsiert im Schlösslekeller in Vaduz
Peter Sarbach ist mit großer Wahrscheinlichkeit der verschrobenste Schweizer Liedermacher. Obwohl er im sehr sympathischen, aber schwer verständlichen Emmentaler Dialekt singt, hat er es zu Auftritten in Deutschland geschafft. Er gibt sich Mühe, damit man ihn wenigstens im alemannischen Raum versteht. Bei seiner aktuellen Tournee liegt der Ausflug über die Grenze jedoch nicht drin: Er absolviert sie mit dem Fahrrad. Dreißig Tage fährt er quer durch die Deutschschweiz - von Chur Romanshorn, Frauenfeld, Zürich, Bern und Thun zurück in die Nähe seines Geburtsorts Freimettigen. Tagsüber radelt er mit seinem 1970er-Jahre-Rad - «damals war es das Topmodell» -, abends steht es neben ihm auf der Bühne. 30 Tage, 30 Orte, 30 Auftritte.


Der Sänger als Rotvieh: Peter Sarbach ist nichts
zu schräg


Obwohl er von Ort zu Ort oft 60 und mehr Kilometer zurücklegt, merkt man von Müdigkeit nichts. Peter Sarbach spielt nicht perfekt, aber kraftvoll, seine volle Stimme füllt den Raum auch ohne Mikrophon aus. Er gibt sich einfältig und macht das reichlich raffiniert. Sein Bühnen-Ich ist von seiner Person höchstens für Freunde zu unterscheiden. Sein Witz ist hintersinnig, mitunter feinsinnig, aber meist relativ grob. Er mag es, wenn seine Lieder abrupt und überraschend enden: Das Loblied auf die Zahl 15 ist nach 15 wenigen Worten zu Ende. Bei seinen Liedern -- auch wenn sie grober sind als die des Berner Mundartsängers -- stand Mani Matter Pate, sein schräger Witz erinnert an Karl Valentin. In seiner Maskerade, Sarbach hat ein Faible für groteske Brillen und bizarre Kopfbedeckungen, steht er Georg Ringsgwandl in nichts nach.

Dazu zeigt sich Sarbach als glänzender Unterhalter, der mit spontanen Einwürfen überrascht, sein Publikum mit einbezieht und zu spontanen Einwürfen herausfordert, die er glänzend aufnimmt und pariert. Das ist nicht durchgängig, aber immer wieder bemerkenswerte Kleinkunst, die größere Beachtung verdient hätte und zudem Charme daraus bezieht, dass er auch in Brockenhäusern (Secondhand-Läden) auftritt oder in der Berner Recycling-Werkstätte, in der Arbeitslose sein nächstes Fahrrad zusammenschrauben -- ein 3-Gang-Rad aus den 1970ern natürlich.

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Donnerstag, 2. April 2009
Der Jazz in Deutschland
Teil vier dokumentiert den Wandel Vom Jazz in Deutschland zum deutschen Jazz
Ob sich die deutschen Jazzmusiker tatsächlich erst in den 1960er-Jahren von den US-amerikanischen Einflüssen emanzipiert und freigespielt haben, sei dahingestellt. Tatsächlich hat sich der Free Jazz in Deutschland mit Wucht entfaltet, wie die erste CD des vierten Dreiersets belegt. In den 1970ern dominierte der Jazz-Rock und danach wird es – wie die Herausgeber hinweisen – ziemlich unübersichtlich. Die gesetzten Schwerpunkte sind durchaus gerechtfertigt, auch wenn die Übergänge der Epochen fließend sind und auch der 1970er-Jahre-Jazz nicht nur aus Jazz-Rock bestand. Er war eine maßgebliche Neuerung, und die ausgewählten Stücke sind hervorragend.

Auch der vierte und abschließende Teil der umfassenden Reihe erinnert an großartige Künstler. Den Auftakt macht ein Stück aus dem Album Heinrich Heine – Jazz und Lyrik (mit Musik von Attila Zoller und Gert Westphal als Sprecher). Der Impuls dazu kam aus den USA, wo zeitgenössische Texte, etwa von Jack Kerouac oder William S. Burroughs im Mittelpunkt standen. Dazu gibt es üppige Free-Jazz-Einspielungen (u. a. von Peter Brötzmann, Hans Reichel, Peter Kowald) und einen ansprechenden Überblick über die Jazzrock-Ära in den 1980er-Jahren mit dem "Vater des Jazzrock" Volker Kriegel, dem von diesem mitbegründeten Unitd Jazz + Rock Ensemble, mit Helmut 'Joe' Sachse, Torsten de Winkel und anderen bekannten Protagonisten.
Später, so stellen die Herausgeber fest, wurde die Szene unübersichtlich, die parallel gespielten und sich entwickelnden Stile erschwerten eine Zuordnung. Traditioneller Jazz, NuJazz, Club-Jazz, Ethno-Jazz und weitere Spielarten existieren unabhängig voneinander. Und natürlich setzen sich viele Jazzmusiker mit der Vergangenheit auseinander. Der Spagat zwischen etablierten, originellen Stimmen und interessanten Nachwuchskünstlern ist nicht ganz gelungen. Künstler von der Qualität eines Till Brönner sollten hier nicht fehlen. Und ein paar Empfehlungen von innovativen, noch kaum bemerkten Nachwuchskünstlern wären auch nicht schlecht.

Doch trotz dieser Einschränkungen zeigt das wie gewohnt mit einem umfangreichen und großzügig bebilderten Begleitheft erschienene Abschlussset der Reihe Der Jazz in Deutschland, wie vielfältig die deutsche Jazzszene derzeit ist.

Teil eins bringt die Vorgeschichte bis zu den ersten Gehversuchen 1899-1932
Teil zwei bringt die Swing-Jahre von 1932 bis 1961
Teil drei dokumentiert den 'frischen Wind', der von den 1950er-Jahren bis heute durch die deutsche Jazzlandschaft weht

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